Zedlitz und Wöllner. 227
für die bedeutungsvollen sachlichen Aufgaben, an deren Lö-sung mitzuarbeiten ihn sein Amt verpflichtete. Mit Schmerzund Unwillen betrachteten die Verbindung solcher Eigen-schaften bei dem neuen Leiter der geistlichen und Unterricbts-Angelegenheiten, bei dem Urheber des wenige Tage nachseiner Ernennung erlassenen Religionsedikts vom 9. Juli 1788nicht nur die in diesem angegriffenen „Aufklärer", sondernauch Männer, welche die schwachen Seiten und bedenklichenFolgen des bisher herrschenden Rationalismus klar erkanntenund warm beklagten; aber gerade daraus erklärt sich auch,dass geringer als Wöllners Eifer der Erfolg seines Wirkensfür die von ihm verkündeten Anschauungen gewesen ist. Mitden Mitteln, über die er verfügte und die er rücksichtslosgebrauchte, durch Edikte und Commissionen, durch Unter-suchungen und Massregelungen bereitete er manchen hervor-ragenden Beamten und Gelehrten trübe Stunden, hemmte ermanchen wünschenswerthen Portschritt; der geistigen Be-wegung auf den preussischen Lehranstalten eine andere Rich-tung zu geben, dazu waren er und seine Gesinnungsgenossennicht im Stande, so sehr er bestrebt war ihnen zur Machtzu verhelfen. Auch unter seinem Regiment übten einengrösseren und tieferen Einfluss als sie auf die preussischenSchulen und Universitäten begabte und pflichttreue Männeraus, die von Zedlitz in ihre bedeutungsvollen Stellungen be-rufen waren; ja selbst im Oberschulcolleg, das Wöllner mög-lichst zu beschränken und zu fesseln sich bemühte und dessenZusammensetzung er zugleich in seinem Sinne umgestaltete,sprachen mehr als ein Mal auch jetzt in wichtigen sachlichenFragen die beiden dem gestürzten Minister am nächsten stehen-den praktischen Schulmänner, Gedike und Meierotto, das ent-scheidende Wort, einfach deshalb, weil sie für diese Fragenein Interesse und Verständniss besassen, wie es bei Wöllnerund seinen Günstlingen nicht zu finden war*).
*) Bei den vorstehenden kurzen Bemerkungen über die ZeitFriedrieh Wilhelms II. sind mir ausser dem Sehlussabschnitt von Reth-wischs gehaltvoller Schrift über Zedlitz und den in ihrer zweiten Auf-lage veröffentlichten Aktenstücken besonders die Mittheilungen vonPreuss über Wöllner im zweiten Band der Zeitschrift für Preussische
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