226 Zweites Buch. Erstes Capitel.
Unterschied der Religion" übertragen wurde, bedeutete nichteine Aufhebung, aber eine Verminderung des Einflusses derkirchlichen Behörden, welchen bisher die Schulen unterstelltwaren, bedeutete eine Mehrung der Rechte und Pflichtendes Staats zum Zweck einer „beständigen Verbesserung"seines Unterrichtswesens, für welche zu sorgen dem Ober-schulcolleg anempfohlen wurde. Noch unter Zedlitz' Vorsitzsind von diesem mehrere für die höheren Bildungsanstaltenwichtigste Verhandlungen über die Einrichtung von Wolfsphilologischem Seminar in Halle und eines pädagogischenSeminars in Berlin und namentlich über Einführung einerMaturitätsprüfung gepflogen.
Aber noch ehe das bedeutungsvolle Edikt vom December1788, welches ein Examen aller zur Universität abgehendenGymnasiasten anordnete, veröffentlicht werden konnte, hatteschon im Sommer desselben Jahres Zedlitz seine bisherigeStellung an Wöllner abtreten müssen. Diesen hatte Friedrichder Grosse einmal als „einen betrügerischen und intrigantenPfaffen" charakterisirt; grosse Gunst hatte er dagegen beiFriedrich Wilhelm IL gewonnen und ihn noch vor seinemRegierungsantritt zum Kampf gegen die „Aufklärung" an-getrieben. Als einen ihrer Hauptbeförderer, als einen Haupt-schuldigen an „dem Verfall der Religion in Preussen" be-zeichnete er dabei Zedlitz und forderte deshalb dringend dieBeseitigung des Ministers, der sich „als Christusleugner undund Naturalist öffentlich affichiret" habe. Eifrig setzte ei-serne geheimen Bemühungen um dessen Sturz fort, auchnachdem er auf Zedlitz' Vorschlag anter der neuen Regie-rung zum Mitglied des Oberschulcollegs ernannt war; da-gegen begnügte er sich bei den wichtigen sachlichen Ver-handlungen des Collegs über die Maturitätsprüfung mit derBemerkung: „Ich möchte auch noch viel hübsches sagen, derTeufel führt aber den Schulboten schon her, ehe ich einmaldie Hälfte gelesen habe". Nachdem nun sein Ziel erreichtund er an Zedlitz' Stelle getreten war, bewies er auch alsMinister die gleiche Leidenschaft im Kampf gegen Alle, indenen er Beförderer der Aufklärung sah, — und den gleichenMangel an Ernst und Fleiss, an Interesse und Verständniss