Schulzes Arbeiten und Leben in Coblenz. 217
er dachte dadurch, wie er seinem Schwager schrieb, „anEinfluss, Freiheit des Wirkens und zugleich an Müsse zuseinen Studien" zu gewinnen. Es war begreiflich, dass seineausgedehnte und vielseitige amtliche Thätigkeit ihm nurwenig Zeit für literarische Arbeiten Hess: nur mit An-strengung wurde es ihm möglich die in Hanau begonneneUebersetzung von Winckelmanus Trattato preliminare inCoblenz zum Abschluss zu bringen; sie füllte den siebenten,den letzten von ihm bearbeiteten Band der von ihm mitMeyer unternommenen Ausgabe von Winckelmanus Werken*).Andere kleinere literarische Publicationen, wie er sie in nichtgeringer Zahl in Weimar und Hanau hatte erscheinen lassen,sind von ihm in Coblenz nicht veröffentlicht worden. Unge-druckt blieben auch die hier von ihm gehaltenen Reden. Zusolchen wurde er auch hier durch seine Theiluahme am Frei-maurer-Orden veranlasst; in der in Coblenz neu gegründetenLoge Friedrich zur Vaterlandsliebe zum Redner vom Stuhlerwählt, suchte er, durchaus dem schon im Namen angedeute-ten Geiste der neuen Vereinigung entsprechend, die patrio-tische Gesinnung ihrer Mitglieder zu stärken. Aber noch inCoblenz zog er sich von der Thätigkeit im Orden zurück;wie er selbst erzählt, bestimmte ihn dazu mit das Missfallenseiner Frau über seinen Zusammenhang mit einer geheimenihr selbst unzugänglichen Gesellschaft. Die beste Erholungnach anstrengender Arbeit fand er bei ihr im Genuss ihresFamilienglücks, welches sich noch erhöhte, da ihnen am1. April 1818 ein Töchterchen geboren wurde; dass dereinst am gleichen Tage geborene Ingersleben dieses KindesPathe wurde, bezeugte und vermehrte die Beziehungen, diezwischen Schulze und seinem Vorgesetzten bestanden. Wersich vergegenwärtigt, wie sein Wirken und Leben in Coblenzsich gestaltet hatte, wird es begreiflich finden, dass er nurmit gemischten Gefühlen einen ehrenvollen Ruf empfing, derihn zwang von hier zu scheiden, sehr bald nachdem er das
*) Vom 29. December 1816 ist die Vorrede zu diesem Banddatirt, der VI und 500 Seiten stark 1817 in Dresden veröffentlichtwurde.