216 Erstes Bucb. Fünftes Capitel.
Schulzes Ansicht leicht zu Missgriffen verleiten konnte, unter-stützte bereitwillig durch seine genaue Kenutniss aller kano-nischen Satzungen den lutherischen Dickkopf, wie er Schulzezu nennen pflegte. Diesem gereichte es zu besonderer Freude,dass es ihm mit solcher Hülfe gelang, ohne je „der katho-lischen Kirche eine für den Staat nachtheilige Concession zumachen, zwischen der Regierung und den bischöflichen Behördenein friedfertiges und vertrauensvolles Verhältniss aufrecht zuerhalten". Da im Grossherzogtbum Niederrhein sämmtlichebischöfliche Stühle erledigt waren, so hatte das Oberpräsidiumnur mit den Generalvicaren in Achen, Trier und Ehrenbreit-stein zu verkehren; unter ihnen schätzte Schulze besondersden Generalvicar Fonck in Achen: er fällt über ihn ein offen-bar weit günstigeres Urtheil als Solms-Laubach, nach dessenAnsicht Fonck „ganz im Sinne der römischen Curie handelte"*).Aus Schulzes Bemerkungen über den Letzteren ist besondersinteressant, was er über ein vertrauliches Gespräch mit demGeneralvicar erzählt. Er rieth danach diesem zu einer mil-deren Praxis bei der Bestrafung seiner Diöcesan-Geistlichen;da antwortete ihm Fonck: „Herr, Sie ahnen nicht, welcheEngel, aber auch welche Teufel in einem katholischen Prie-ster sitzen."
Bei der Fülle verschiedenartiger Arbeiten, die ihm ob-lagen, begrüsste Schulze es als eine Erleichterung, dass ervon manchen zeitraubenden und minder wichtigen Geschäftenin Folge der Ende October 1817 erlassenen speciellen Dienst-instruction für die Provinzialconsistorien befreit wurde. Dadiese hiernach fortan nur die Interna des Schul- und Kirchen-wesens zu leiten hatten, während die Externa, insbesonderedie Aufsicht über die Verwaltung des Kirchen- und Schul-vermögens, den Regierungen zugewiesen wurden, brauchte auchSchulze sich mit letzteren Fragen nicht mehr zu beschäftigen;
*) Mejer, Komisch-deutsche Frage II B, 293. Vgl. auch Treitschke,Deutsche Geschichte III, 216. Hinsichtlich F.s Haltung bei dem vonTreitschke S. 383 besprochenen Process seines Neffen berichtet Schulze,der Generalvicar habe bei der Nachricht von der königlichen seinemNeffen günstigen Entscheidung aus seinem Privatvermögen eine be-deutende Summe zu wohltbätigen Zwecken gewidmet.