Druckschrift 
Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
Seite
211
Einzelbild herunterladen
 

Christian Schlosser. Gymnasium in Wetzlar. 211

die Neugestaltung des Gymnasiums vollendet; der Grund zudieser aber ist durch ihn gelegt. Es war seine erste Auf-gabe hier in der alten Residenz der Trierer Erzbiscböfe, jetztdein Sitz der wichtigsten Behörden des neuen preussischenGrossherzogthums Niederrhein für die Hebung des Unter-richtswesens zu sorgen; wie er diese Aufgabe angriff undihrer Lösung entgegenführte, lässt uns am klarsten die leiten-den Motive, die Ziele und Mittel seiner Wirksamkeit imEheinland erkennen. Keineswegs aber hat sich diese aufdie Coblenzer Verbältnisse beschränkt. Eine bedeutsame ähn-liche Thätigkeit entfaltete er vielmehr gleichzeitig auch ananderen wichtigen Punkten des seiner Fürsorge anvertrautengrossen Gebiets. Für den rechtsrheinischen Theil des Re-gierungsbezirks Coblenz war namentlich werthvoll die vonihm mit Eifer und Erfolg betriebene Neugestaltung des Gym-nasiums in Wetzlar. Hier war unter Dalbersjs Herrschaftan Stelle der alten lutherischen Oberschule ein für alle Re-ligionen gemeinschaftliches Gymnasium eingerichtet; dieseAnstalt aber war in der Kriegszeit in Verfall gerathen: dievier Classen, mit denen sie 1809 eröffnet war, hatten wegenMangel an Lehrkräften bereits in zwei zusammengezogenwerden müssen, als 1816 auch der Rector der Schule seineStelle niederlegte und so dieser nur zwei Lehrer verblieben,ein Schreiblehrer und der nur provisorisch angestellte Con-rector Ciechansky. Schulze bestimmte durch eine eingehendeDarlegung der traurigen finanziellen Verhältnisse der Wetz-larer Schulkasse das Ministerium zur Bewilligung eines be-deutenden jährlichen Zuschusses; zum Director wurde aufseinen Vorschlag Philipp Ludwig Snell ernannt, ein Sohndes angesehenen Oberschulraths Snell in Weilburg, der selbstals Conrector und Prorector in Idstein sich als tüchtigerSchulmann bewährt hatte; neben ihm gewann Schulze alsLehrer den spätem Leiter des Ilfelder Pädagogiums Wiedasch,der als Privatlehrer in Coblenz dort von ihm auch zuerstzum Unterricht am Gymnasium herangezogen war. Die imNovember 1817 wieder mit vier Classen eröffnete Anstaltnahm namentlich durch die eifrige Thätigkeit des neuenDirectors bald einen erfreulichen Aufschwung; leider wurde er

14*