210 Erstes Bnch. Fünftes Capitel.
hatte Goethe über ihn geurtheilt: „Er ist ein kleiner Enragefür die neueste Philosophie und das mit so viel Geist, Herzund Sinn, dass ich und Schelling unser Wunder daran sehen."Goethe hatte gemerkt, dass Christian damals auch seinenaltern Bruder „nach Jena zu der seligmachenden Kirche ge-rufen hatte"; noch in anderem Sinne hatte seitdem Schlosserdas Goethische Wort wahr gemacht, indem er 1812 in Romzum Katholicismus übergetreten und wohl mit dadurch auchsein Bruder bald darauf zu dem gleichen Schritt bestimmtwar. Mit gutem Grund führte Karl von Raumer SchlossersEntschluss mit auf seine Schwärmerei für mittelalterliche Kunstzurück; auch Schulze wies in seinem Bericht über Schlossernachdrücklich auf dessen Beschäftigung mit italienischerKunst und seine feine ästhetische Bildung hin; er glaubte,dass diese ihm jede intolerante Denk- und Handlungsweiseunmöglich mache: bei Schlossers edler Persönlichkeit, seinerschnellen Fassungsgabe, seinem gefälligen Vortrag, meinteer, dürfe man sich eine erspriessliche Wirksamkeit von ihmversprechen, wenn ihm sein Wunsch erfüllt und ihm dasDirectorat Überträgen würde. Schulze und noch bestimmterdas Ministerium hoben wohl die Bedenken hervor, die gegendie Anstellung des katholischen Romantikers sprachen, dernie als praktischer Schulmann thätig gewesen war; bald aberstellte sich heraus, dass sie diese Bedenken unterschätzt undeinen Fehlgriff begangen hatten, als sie trotz derselben zudieser Wahl sich entschlossen. Der „geistvolle, aber etwasüberspannte" Mann, wie Schlpssers Landsmann Böhmer, derseiner Familie und seinen Anschauungen mit ausgesprochenemWohlwollen gegenüberstand, ihn charakterisirt*), zeigte sichder ihm übertragenen Aufgabe nicht gewachsen; es kam zuDifferenzen zwischen ihm und Schulzes Nachfolger Lange,in Folge deren schon im Juni 1819 Schlosser zurücktrat.An seiner Stelle wurde Franz Nicolaus Klein zum Directordes Gymnasiums ernannt, der dann über 30 Jahre an dessenSpitze gestanden hat.
Erst nach Schulzes Fortgang von Coblenz ist dadurch
*) S. Janssen, Böhmers Leben, Briefe und Kl. Schriften in, 479.