Lehrplan und Lehrer des Coblenzer Gymnasiums. 209
wichen sie mehrfach von einander ab; dagegen waren siedurchaus einverstanden in den principiell wichtigsten Fragen,namentlich in der Streichung des Französischen und in derHochschätzung des Griechischen. Beide hatten in Hinsichtauf das Letztere in früheren Jahren noch weiter gehendeForderungen aufgestellt; aber auch was sie jetzt begehrten,<nng weit hinaus über die bisherigen Leistungen deutscherGymnasien, und ein vollständig neues Ziel wurde dadurch derCoblenzer Schule gesteckt, auf der unter jesuitischer wieunter französischer Herrschaft Griechisch und Deutseh grund-sätzlich vernachlässigt waren. Bei dieser Sachlage konnteSchulze nur erfreut darüber sein, dass für die Zukunft auchin Coblenz eine Durchführung des in den wichtigsten Punk-ten seinen Anschauungen und Vorschlägen entsprechendenSüvernschen Lehrplans vom Ministerium in Aussicht genom-men wurde, dessen baldige Veröffentlichung damals beab-sichtigt war; ausdrücklich wurde von ihm dabei dem Con-sistorium anheimgegeben Modificationen vorzunehmen, wiesie die dortigen Verhältnisse erforderten. Solche waren zu-nächst unvermeidlich mit Rücksicht auf die vorhandenenSchüler und Lehrer; um so wichtiger war eben deshalb,dass 1817 das Ministerium drei von Schulze vorgeschlageneMänner nach Coblenz berief und zwar als Oberlehrer Stein-metz aus Wiesbaden und den bis dahin an Pestalozzis In-stitut in Yverdun thätigen Leutzinger und als UnterlehrerThierbach aus Gotha. Besonders werthvoll war der Gewinnvon Leutzinger für den mathematischen Unterricht, den erdann seit dem Frühjahr 1817 fast 40 Jahre lang geleitethat; seinen günstigen Binfluss hat auch Johannes Müllerin seiner Dissertation gerühmt. Anfang 1818 glaubte Schulzedann eine geeignete Kraft auch für den Posten des Di-rectors gefunden zu haben; auf seinen Vorschlag wurdeals solcher Christian Schlosser*), der jüngste Neffe vonGoethes Schwager ernannt. Als dieser 1801 in Jena studirte,
*) Vgl. über ihn Rosenthal, Convertitenbilder I, 244ff., FresesEinleitung zu seiner Ausgabe der Goethe-Briefe aus Fritz SchlossersNachlass S. 5 ff. und Eilers' Wanderung durchs Leben I, 193 f. und II, 66.
Varrentrapp, Job. Schulze. 14