Schulzes Lehrthätigkeit und Lehrplan 1816. 207
richten. Diese freiwillige Mehrarbeit, die Schulze zum Bestender Coblenzer Schuljugend übernahm, brachte ihn in ein näheresVerhältniss zu dieser selbst und den Eltern; noch im höchstenAlter hat er es als eine Fügung der Vorsehung dankbar ge-priesen, dass er in diesen Lehrstunden zuerst auf die ausser-ordentliche Begabung des damals 16jährigen Johannes Mülleraufmerksam wurde und dessen „ebenso sinnigen als beschei-denen" Vater, der seinen Sohn zum Handwerker bestimmthatte, ermunterte diesen vielmehr studiren zu lassen*).
In solcher Weise gelang es schon im Winter 1816 einenbessern Zustand des Gymnasialunterrichts in Ooblenz als denbisherigen herzustellen und die nothwendige weitere An-näherung an die vom Ministerium und Consistorium gemein-sam erstrebten Ziele vorzubereiten. Bereits im Juli hatteSchulze einen vollständigen Lehrplan ausgearbeitet; er ging beiihm von den gleichen Grundgedanken aus, die er 1812 derHanauer Schulinspection in seinem Gutachten über Gymnasienund deren Einrichtung entwickelt hatte; mehrere Sätze ausdiesem nahm er wörtlich in die übrigens viel knapper ge-fasste Einleitung auf, welche er als allgemeine Motivirungseinen speciellen Vorschlägen über die Einrichtung des Unter-richts in den einzelnen Classen voranschickte. Nach seinerAnschauung vom Zweck des Gymnasiums empfahl er auchjetzt als Hauptlehrgegenstände Griechisch, Lateinisch, Deutschund Mathematik; den classischen Sprachen wies er die weit-aus grösste Stundenzahl zu und einen bedeutenden Theilderselben dem Griechischen, wenn er auch nicht mehr dieja auch in Hanau nicht durchgesetzte Forderung aufstellte,dass mit ihm der Unterricht in den classischen Sprachen be-gonnen würde; wie er im Einzelnen diese Lehrgegenständeund daneben Religion, Geographie und Geschichte, Natur-geschichte und Physik und jetzt auch Zeichnen und Singenberücksichtigt sehen wollte, zeigt die folgende Tabelle, in derich übersichtlich seine Vorschläge zusammengestellt habe.
*) Vgl. auch die Gedächtnissreden auf J. Müller von Du Bois-Reymond in den Abhandlungen dcv Berliner Akademie 1859 S. 31 undvon Virchow (Berlin 1858) S. 7.