206 Erstes Bach. Fünftes Capitel.
nasiums glaubte er nicht so lange mit dessen Hebung wartenzu dürfen; auch ohne genügende Mittel, um durchgreifendzu helfen, beeiferte er sich doch schleunigst, alles was beiden gegebenen Verhältnissen möglich war, ins Werk zu setzen,um schon im Winter 1816 einen bessern Zustand der An-stalt herbeizuführen. Zwei neue Lehrer für dieselbe fand erzunächst in zwei Männern, die bisher an einer lateinischenSchule in Ehrenbreitstein unterrichtet hatten. Diese war ausrechtsrheinischen Gütern des Gymnasialfonds von der Nas-sauischen Regierung errichtet worden; ihr längeres Fort-bestehen war schon deshalb unmöglich, weil das von un-benutzte Gebäude der Militärverwaltung eingeräumt werdenmusste; indem das Consistorium dieser hierin entgegenkam,gelang es ihm, ähnliche Ansprüche, die Gneisenaus Nach-folger, General Hake, auf das Gymnasialgebäude in Coblenzselbst erhob, zu beseitigen*). Neben den beiden aus Ehren-breitstein nach Coblenz versetzten Lehrern Assmann undWolff zog Schulze zur Aushülfe für das Wintersemestermehrere nicht dem Lehrstand angehörige Männer heran, diemit Eifer und Geschick sich der Aufgabe widmeten in ihnenbekannten Disciplinen den Schülern Unterricht zu ertheilen, dieOffiziere Michaelis und O'Etzel, die damals auf dem von Müfflinggeleiteten militärisch-topographischen Bureau arbeiteten, denRegierungs-Calculator Rollshagen und den Apotheker Moser;ausser ihnen übernahmen einige Privatlehrer einzelne Stundenund endlich entschlossen sich Schulze selbst und sein CollegeLange trotz der fortwährenden Vermehrung ihrer Arbeitenim Consistorium dazu, in den beiden oberen Classen desGymnasiums im Griechischen und Lateinischen zu unter-
*) Charakteristisch für Clausewitz sind seine vertraulichen Aensse-rungen über diese Frage in einem Brief an Gneisenau vom 17. August1816 (im Leben Gneisenaus V, 141), in denen er hervorhebt, „voneinem gewissen niedrigeren Standpunkt aus gesehen" habe General H.bei seiner Forderung der Abtretung des betreffenden Gebäudes füreine Kaserne sehr viele Gründe für sich, aber es werde dabei nichtbeachtet, „dass an einer Kaserne sich nicht das Auge eines edlenGeistes weidet, dass sie nicht der Stolz und die Freude einer Bürger-schaft werden kann wie eine in Ruf und Ehren stehende Lehranstalt".