204 Erstes Buch. Fünftes Capitel.
Rede, also auch nicht bei einem wissenschaftlichen Institut,dem Gymnasium. Hierzu kommt, dass das hiesige Collegiumein Landes-Gymnasiuni ist und es muss als solches den höherenZwecken des Staats, nicht den untergeordneten Absichteneiner besondern Religionspartei dienen. Dem preussischenStaate muss daran liegen, in den Rheinprovinzen eine gründ-liche wissenschaftliche Bildung zu verbreiten, und er wirdund muss diesen Zweck durch die ihm zu Gebote stehendenMittel zu erreichen suchen; er wird also tüchtige Schul-männer, gründliche Sprachgelehrte und wahrhaft wissen-schaftliche Männer da aufsuchen, wo er sie finden kann,unbekümmert um die Religionspartei, zu welcher sie sichbekennen. Es wäre für den preussischen Staat sehr erwünscht,wenn er recht viele tüchtige Katholiken fände, die er inseinen Rheinprovinzen als Lehrer anstellen könnte. Aberwenn er sie, wie ich fast fürchte, nicht fände, so seheich nicht ein, wie es unsern katholischen Brüdern anstössigsein könnte, wenn der Staat an rein wissenschaftlichen In-stituten in katholischen Ländern Protestanten anstellte. Dereigentliche Religionsunterricht kann und muss von den Geist-lichen einer jeden Confession abgesondert ertheilt werden.Lateinisch, Griechisch, Deutsch, Mathematik u. s. w. kannweder katholisch noch protestantisch gelehrt werden, sonderngründlich muss der Unterricht in diesen Hauptstücken desGymnasialunterrichts sein und der Staat wird, wenn diesesder Fall ist, nicht weiter zu fragen sich bemühen, ob dieLehrer Katholiken oder Protestanten sind. Bemerken mussich noch, dass in Düsseldorf der gegenwärtige Director desehemaligen Jesuitencollegiums ein Protestant ist, dass inJena schon oft Katholiken Prorectoren waren, dass in Münchender Director der Akademie ein Protestant und die meistenMitglieder der Akademie Protestanten sind. Dasselbe ist auchmehr oder weniger in Landshut und in Würzburg der Fall."Nach den in diesen Ausführungen vertretenen Gesichts-punkten beantragte das Consistorium auf Schulzes Vorschlaggleichzeitig die Berufung mehrerer katholischer und pro-testantischer Lehrer: hinsichtlich des Directorats wurde an-heimgegeben, ob das Gymnasium nicht so lange von dem