202 Erstes Buch. Fünftes Capitel.
stalt allein den damals an ihr wirkenden Lehrern zuzuschreiben,aber er hielfc sich doch auch verpflichtet hervorzuheben, dasssie ihrer Aufgabe keineswegs gewachsen seien, dass keinervon ihnen den für ihren Beruf unentbehrlichen Grad höhererBildung und gründlicher Gelehrsamkeit besitze, ja dass ge-rade der Begabteste unter ihnen, Professor Türck, sein Amtnur lässig betreibe und mannigfachen Anstoss gebe. Unterdiesen Verhältnissen erklärte Schulze die Berufung nicht nureines neuen Directovs an Stelle des 1815 gestorbenen Simon,auch die Anstellung mehrerer tüchtiger neuer Lehrer für eindringendes Bedürfniss; die nöthigen Mittel für ihre Besol-dung, forderte er schliesslich, müssten baldigst durch die Staats-kasse und durch die Stadt Coblenz beschafft werden, da dieInteressen von Staat und Stadt verlangten, dass die Reor-ganisation des Gymnasiums noch vor dem Beginn des neuenSchuljahrs im November 1816 erfolge.
Allerdings so schnell wurde diese nicht vollzogen. DasMinisterium war mit Schulze und seinen Collegen im Con-sistorium darin einverstanden, dass die innere Erneuerungdes Gymnasiums für die Stadt und den RegierungsbezirkCoblenz von grösster Wichtigkeit sei und sich nicht durchPalliativmittel bewirken lasse, sondern es vielmehr auf dessengänzliche Umgestaltung ankomme: die Anträge, welche dasConsistorium in diesem Sinne nach Schulzes Vorschlägenhinsichtlich der Einrichtung der Schule und des Lehrerper-sonals stellte, fanden in Berlin eine wohlwollende Erwägung.Aber man glaubte hier längerer Zeit zur Erreichung desgemeinsam erstrebten Ziels und grösster Behutsamkeit zurUeberwindung von Schwierigkeiten zu bedürfen, wie sie demMinisterium u. A. auch die Frage der Oonfession der neu anzu-stellenden Lehrer zu bieten schien. Es verdient Beachtung,dass 1815 Görres, wie erwähnt, durchaus kein Bedenkendarin sah, als Director des Coblenzer Gymnasiums den Pro-testanten Schulze in Vorschlag zu bringen; bei den Be-rathungen des Consistoriums sprach nun Lange den Wunschaus, dass Schulze auch als Schulrath die Directum der An-stalt übernehmen möchte; wegen seiner wichtigen anderenGeschäfte, die auch häufigere Reisen von ihm mit sich