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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
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Schulwesen in Coblenz vor 1815. 201

beurtheilt Schulze besonders den ungünstigen Einfluss derUnterordnung der Anstalt unter die französische Universität,welche „die Hälfte der noch übrigen Lehrlinge vertrieb, vonden Lehrern bedeutende Summen für ihre Diplome erpressteund alle eingeschlichenen Missbräuche sanctionirte". Warmerkennt er dagegen den Eifer an, mit dem Görres, sobald ernach Vertreibung der Franzosen zum Director des öffentlichenUnterrichts im Rheinland ernannt war, sich der Schule an-genommen habe; aber die provisorische Verwaltung, der erangehörte, vermochte die wichtigen Besserungsvorschläge, dieer machte, nicht auszuführen. So fand Schulze alle Ver-hältnisse der Anstalt in arger Zerrüttung vor: es fehlte angenügenden finanziellen Mitteln und an geeigneten Lehrern,an einem Lehrplan und in Folge dessen an Zusammenhangdes Unterrichts und nicht minder an ordentlicher Schulzucht.Nachdem Görres das bisher vorherrschende Französische alsHauptunterrichtsgegenstand verbannt hatte, beschränkte sichin allen 6 Classen, die noch nach der von den Jesuiteneingeführten Weise benannt wurden, der Unterricht fast einzigund allein auf die lateinische Sprache, aber auch diese wurdehöchst ungenügend und unzweckmässig gelehrt. Auch dieSchüler der beiden obersten Classen, der Poetica und Rhe-torica, die weil die nöthigen Lehrer fehlten, meist zusammenunterrichtet werden mussten, waren daher noch durchaus un-sicher in der lateinischen Grammatik. „Von den Eigenthüm-lichkeiten der lateinischen Sprache, sagt Schulze ausdrücklich,haben sie eben so wenig Kenntniss, als sie im Stande sind,einen alten lateinischen Prosaiker oder Dichter mit seinenSchönheiten zu verstehen und aufzufassen. Uebungen indeutschen Aufsätzen und in einem schönen gefälligen münd-lichen Vortrage, fehlen gänzlich; Griechisch wird zwar demNamen nach gelehrt, aber die Mitglieder beider Classen könnenweder decliniren noch conjugiren; in der sogenannten Rhe-torica werden den Schülern Stücke aus der Iliade dictirt, umsie in der griechischen Kalligraphie zu üben, aber einenHexameter aus dem Homer -kann auch nicht einer wederrichtig lesen, noch im Sinne des Sängers verstehen". Schulzewar weit entfernt, die gerügten Fehler und Mängel der An-