192 Erstes Buch. Fünftes Capitel.
Staat sieh abwandte, durch den allein sie zu erfüllen waren,immer tiefer in romantische Phantasien sich verlor.
Von Schulzes Beamtenfähigkeiten überzeugte sich baldauch sein Vorgesetzter, der alte Ingersleben. Gneisenau hattebei dessen Ernennung zum Oberpräsidenten in Coblenz Harden-berg gegenüber Bedenken geäussert, dieser aber sein Vor-urtheil als ungerecht bezeichnet und die Zuversicht ausge-sprochen, dass Ingersleben vollkommen in die rheinischenProvinzen passe; „er ist ein Mann von angenehmem Aeussern,hat sehr gefällige Formen und hat in seinem bisherigenPosten und bei der Uebernahme von Schwedisch-Pommcrnsehr gute Geschäftskenntnisse gezeigt, auch sich Liebe undZutrauen erworben"*). In der That rechtfertigte er Harden-bergs Wahl; an Talent und Energie stand er wohl nichtnur Ludwig von Vineke, sondern auch seinem Colner CollegenSolms-Laubach nach; aber seine Milde und Freundlichkeitmachten ihn bei den Rheinländern beliebt und erleichtertenund förderten die Wirksamkeit der ihm unterstellten tüchtigenBeamten, die er Vertrauens- und verständnissvoll unterstützte.Ganz besonders hatte Schulze seines Wohlwollens sich zuerfreuen; im October 1816 berichtete dieser seinem Schwager,der alte Herr sei, wie er bisweilen bei wichtigen Veran-lassungen zu thun pflege, auf seine Studirstube gekommenund habe ihm einen Bericht an das Ministerium des Innernvorgelesen, in dem er eine Gehaltserhöhung für ihn beantragt
*) S. Hardenbergs Brief an Gneisenau im Leben Gneisenaus V, 91.Nach dem ebenda S. 74 abgedruckten Brief Boyens empfahl dieserschon am 31. Januar 1816 Ingersleben, der sich sehr willig zeige, anGneisenau. Da leider in der Allg. Deutschen Biographie Ingerslebenkeine Berücksichtigung gefunden hat, so muss, wer über seine Lebens-verhältnisse sich unterrichten will, auch heute noch den 9. Jahrgang(1831) des Neuen Nekrologs der Deutschen S. 415 ff. aufschlagen; einvon Meusebach auf ihn verfasstes Gedicht findet sich in den Eintags-schönchen S. 35; dass er nur in Folge einer Verwechselung mit einemgleichnamigen Verwandten fälschlich als Mitglied des Tugendbundesbezeichnet ist, hat Barsch in seinen Beiträgen zu dessen GeschichteS. 28 bemerkt. Seine väterlich wohlwollende Art rühmt auch Eiiersin seiner Wanderung durchs Leben II, 15 ff., der ebenda auch SchulzesCollegen Lange schildert.