Druckschrift 
Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
Seite
191
Einzelbild herunterladen
 

Clausewitz' Urtheil über Görres. 191

seine Schrift über Deutschland und die Revolution veröffent-licht hatte, nachdrücklich die Verkehrtheit dieses Buchs, dasewig in allgemeinen Declamationen, Bildern, Gleichnissen undAllusionen schwebe und dessen Verfasser esbei aller Philo-sophie und Geschichte und Naturwissenschaft, die in seinenSchriften walten, an dem klaren Menschenverstände, ander schlichten einfachen Wahrheit" fehle.Was kann es,schrieb Clausewitz damals, für ein tüchtiges Schaffen in derpraktischen Welt helfen, aus der Idee einen dünnen Fadenfortzuspinnen, den selbst von den Lesern nur der zehnteTheil mit eignen Augen sieht und verfolgt und der von derübrigen Staatsbürgerschaft ewig ignorirt wird, an diesendünnen Faden, weil er nicht eine einzige Realität tragenkann, lauter Schaumblasen von allgemeinen Begriffen sichauhängen und auf diese nun ein in hundert Farben spielen-des Licht der Beredtsamkeit fallen zu lassen?" Diese Worterichteten sich gegen Görres als denbesten Repräsentanteneines Unwesens", in dem Clausewitz eine unter den literarischgebildeten Deutschen seiner Zeit weit verbreitete Krankheiterkannte; unleugbar war eine Abh - rung nach dieser Richtungauch für eine Natur wie die Schulzes zu fürchten; um sobedeutsamer und segensreicher war für ihn selbst seine amt-liche Thätigkeit. Sie stellte ihm bestimmte praktische Auf-gaben; war zu ihrem Verständniss und ihrer Behandlungnach dem ganzen Gang seiner bisherigen Entwickelung,nach seinem gründlichen Studium der Alten, nach den Er-fahrungen seiner praktischen Thätigkeit in Weimar undHanau der protestantische Schüler Wolfs und Sehleiermaehersvon vornherein mehr geeignet als der redegewaltige katho-lische Publicist, so lernte er dabei immer besser, was Clause-witz mit Recht immer mehr an Görres vermisste,dicht beider concreten Wahrheit zu bleiben, klar und bestimmt überdie Angelegenheiten des Staates und der Gesellschaft zudenken" und nach solcher Einsicht zu urtheilen und zu han-deln; in stiller mühsamer aber fruchtbarer Arbeit wirkte erim Dienst des preussischen Staates für die Klärung und Ver-wirklichung der nationalen Gedanken des Coblenzer Freundes-kreises, während Görres in zorniger Verbitterung von dem