190 Erstes Buch. Fünftes Capitel.
wunderten rheinischen Freundes. Es war ihm peinlich, dasser beauftragt wurde sich von diesem die Akten und Geschäfteder aufgehobenen Generaldkection des öffentlichen Unter-richts übergeben zu lassen und Görres für den Verlust diesesAmtes keine ihn befriedigende Entschädigung erhielt; umdie Nothwendigkeit einer solchen dem Ministerium darzu-legen, verfasste er mehrere Eingaben, welche von seinemVorgesetzten, von Ingersleben gebilligt und unterschriebenwurden und auch in Berlin nicht ohne Wirkung blieben.Schulze theilte auch keineswegs die dort besonders gehegtenBedenken gegen Görres' politisches Auftreten; er wünschtedie Wiederaufnahme des Rheinischen Merkur, der kurz vorseinem Eintreffen in Coblenz unterdrückt war*); er unter-schrieb auch ebenso wie Meusebach die Coblenzer Adresse.Er zog sich dadurch nicht nur eine officielle Rüge zu, deneinzigen Tadel, wie er bemerkt, welchen er je von einer vor-gesetzten Behörde erhielt; auch Clausewitz missbilligte diesenSchritt von ihm. In einem vertraulichen Brief an Gneisenauführte er aus, wie bedenklich ihm alle solche Akte indivi-dueller Willkür, revolutionären Einschreitens durch Volks-adressen und Volksgesellschaften erschienen; als die weitereEntwickelung seine Befürchtungen nur zu sehr gerechtfertigtund die Gegensätze geschärft hatte, betonte er in dem Auf-satz über politische Umtriebe**), den er einige Jahre daraufniederschrieb, nachdem Sand Kotzebue ermordet und Görres
*) Auch Schulze war der gleichen Ansicht, wie Zeunc in seinemSchreiben aus Berlin an Görres vom 28. Januar 1816 (Görrcs-BriefeII, 485 ff.), dass die Unterdrückung dos Merkur durch den russischenKaiser veranlasst sei; im August 1816 äusserte auch Gneisenau ineinem Brief an Clausewitz „die Hoffnung, dass man Görres erlaubenwerde den Merkur fortzusetzen". S. Gneisenaus Leben V, 130.
**) Dass dieser interessante Aufsatz, den Schwartz in seinem Bucheüber Clausewitz am Ende seiner Barstellung von dessen CoblenzerPeriode abgedruckt hat, sicherlich erst in Berlin geschrieben ist, be-weist die besondere Rücksicht, die darin auf die im Text erwähntenEreignisse genommen ist. Clausewitz' Brief an Gneisenau über dieCoblenzer Adresse vom 12. November 1817 s. im Leben GneisenausV, 265ff.; beim Lesen des letzten Absatzes drängt sich die Vernmthungauf, dass er zu einem späteren Schreiben gehört.