Görres. Coblenzer Adresse. 189
festes, am 18. October 1817 regte er bei einem Pestmahl zurErinnerung der Leipziger Schlacht in Coblenz den Erlasseiner Adresse an, in welcher dem König die vertrauensvolleHoffnung, dass er bald sein Versprechen der Verleihung einerVerfassung erfüllen werde, und zugleich die Bitte ausge-sprochen wurde, für die Ausführung des Artikel XIII derBundesacte beim Bundestag einzutreten, um eine gleicheBeruhigung des übrigen Deutschland herbeizuführen. Be-zeichnend für Görres waren die Worte der Adresse, nachdenen die Wünsche ihrer Unterzeichner „ihrem wesentlichenInhalte nach auf die Wiederherstellung der Freiheiten derLandschaft und der uralten wahrhaft deutschen Verfassung"gingen, noch mehr die Bildung einer Deputation aus Ab-geordneten des „Lehr-, Wehr- und Nährstandes", als derenWortführer er am 12. Januar 1818 die Adresse, für die erin Stadt und Land zahlreiche Unterschriften gesammelt hatte,dem persönlich kurz zuvor ins Rheinland gekommenen Staats-kanzler überreichte, und seine bei diesem Anlass gehaltenenVorträge^- Hardenberg wies in seinen Erwiderungswortentreffend darauf hin, wie unklar und bedenklich für einefreiheitliche Entwickelung manche der ihm vorgetragenenWünsche seien, hörte jedoch freundlich den rheinischen Tri-bunen an, weil es ihm darauf ankam, dass Regierung und Be-völkerung sich kennen und verstehen lernten, um sich wechsel-seitig Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. In dieser Ueber-zeugung dankte er Görres auch für die Blätter, in denenletzterer die Geschichte ihrer Unterredung der Oeffentlich-keit erzählte; gerade diese aber boten Beider gemeinsamenGegnern in Berlin willkommenen Anlass den König gegendie populäre Bewegung einzunehmen; gleiche Verfügungenwurden gegen die Agitation für die Coblenzer Adresse er-lassen; aber dadurch wurde dann wieder bei den Rhein-ländern und besonders bei Görres das Misstrauen gegen dieRegierung und die feindliche Stimmung gegen alles gestärkt,was sie nach Görres' Ausdruck „das steinerne bittere Preussen-thum" nannten.
Ein besonders lebhaftes Interesse nahm Schulze an allendiesen Aeusserungen und Geschicken seines von ihm be-