180 Erstes Buch. Fünftes Capitel.
in die Scharnhorst ihn einführte, einige angenehme und an-regende Stunden mit mehreren ihm gleichalterigen Offizierenund Civilbeamten; als er am Tage darauf Gneisenau seinenofficiellen Antrittsbesuch machte, wurde er von ihm sofortzur Tafel geladen. „Mit wahrer Begeisterung, schrieb erunmittelbar darauf seiner Frau, bin ich von Gneisenau ge-gangen. Du glaubst nicht, was für ein schöner Mann erist; auch sein Organ ist sehr wohlklingend und die Wundeüber das Gesicht giebt ihm ein wahrhaft heroisches Aus-sehen". Königlich erschien ihm die Würde, mit welcherGneisenau ihn - empfangen hatte; im Gespräch, das dieser„bei seiner vielseitigen Bildung immer auf wichtige Gegen-stände zu leiten" wusste, bewunderte er seinen scharfenhistorischen Blick. Aus den Schilderungen von Arndt undSteffens, von Kaumer und Haeckel ist bekannt, wie Gneisenauden Umgang mit „Civilisten" liebte, wie er in ihm seinerAchtung für eine jede Art höherer geistiger Bildung liebens-würdigsten Ausdruck gab; mit Schulze Hess er sich, da erdessen Uebersetzung des Arrian kannte, in eine weitläufigeDiscussion über Alexander den Grossen ein und „sehr richtigurtheilte er, dass er durchaus eine poetische Natur gewesen".Immer lieber gewann Schulze in den folgenden Wochen den„herrlichen Mann", je klarer dessen Gemüthsleben sich ihmenthüllte; auch er erfuhr, wie unwiderstehlich gebietendgerade die „stille Demuth" Gneisenaus, „vor seinem Ruhmsein eigenes Erröthen", die natürliche warme Freundlichkeitdes „Manns von Stahl und Eisen" wirkte. Nie hat er ver-gessen, wie der Besieger Napoleons ein Gespräch über diesenmit den Worten schloss: „Unsere Klugheit hat ihn nichtüberwunden, sondern die hohe ihm unverständlich gebliebeneBegeisterung und Vaterlandsliebe des preussischen Volks".Entzückt schilderte er seiner Frau, wie er bei einem Besucheinmal „den Helden Deutschlands unter mehr als vierzigKindern fand, mit denen er spielte, um seinem Sohn, einemKnaben von fünf Jahren, eine Freude zu machen".
In dem Kreis, in welchem der Einfluss dieses Mannesherrschte, war alles kleinliche und prunkende Scheinwesenausgeschlossen; in ungezwungenem und heiterem Verkehr