176 Erstes Buch. Viertes Capiteh
kamen nicht zur Ausführung; da Sack, an den er dieselbenzunächst gerichtet hatte, bekanntlich Anfang 1816 vom Rheinnach Pommern versetzt wurde und vor seinem bevorstehendenAbgang keine neuen Einrichtungen hinsichtlich des Schul-wesens treffen wollte. Schulze billigte dies durchaus; Görreshatte nach seiner Ansicht nur darin gefehlt, dass er ihmDinge als entschieden vorgelegt hatte ; die noch problematischwaren. Inzwischen aber war bereits von anderer Seite SchulzesBerufung nach Coblenz beantragt; sie wurde besonders durchSüvern betrieben und durchgesetzt, der unter allen damaligenBerliner Geheimen Räthen mit grösstem Eifer und Verständ-niss für das Schulwesen des Staats bemüht war. Schon imSommer 1815 hatte er bei einer Reise nach dem Rhein undMain persönlich mit Schulze verhandelt; nachdem auch GrafSolms-Laubach, der 1816 das Oberpräsidium über eine derneugebildeten rheinischen Provinzen übernahm, sich sehr gün-stig für Schulze geäussert hatte, wurde dieser durch Rescriptvom 14. März 1816 zum Schulrath bei dem Consistoriumund Schulcolleg in Coblenz mit einem jährlichen Gehalt von1000 Thalern ernannt; er wurde angewiesen sich baldigstbei dem neuen Oberpräsidenten in Coblenz, bei Ingerslebenzu melden und seine Geschäfte zu übernehmen.
Schulze zauderte keinen Augenblick diesem Ruf zu folgen.Allerdings hatte er kurz zuvor aus Kassel nun endlich seinedefinitive Ernennung zum Oberschulrath erhalten, aber auchjetzt war dabei mit keiner Silbe seiner Besoldung gedacht.Noch an demselben Tage, an dem das von den MinisternSchuckmann und Bülow unterzeichnete Rescript in seine Händekam, am 4. April richtete er darauf ein Schreiben an denKurfürsten, in dem er um seine Entlassung aus dem hessischenDienst und zugleich um baldigste Auszahlung der von seinerBesoldung ihm noch zukommenden 1312 Gulden bat. Esfiel ihm nicht leicht von seinen Schülern und der Bevölkerungzu scheiden, deren Begabung und Beweglichkeit, deren Tüch-tigkeit und Bildsamkeit er noch ein halbes Jahrhundertspäter warm anerkannt hat*); manche Freunde hatte er sich
*) In einem Brief an Leopold Schmidt vom 29. November 1865.