Druckschrift 
Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
Seite
174
Einzelbild herunterladen
 

174 Erstes Buch. Viertes Capitel.

Unter diesen Umständen hatte Schulze es für seinePflicht halten müssen, für seine Kraft einen andern Wir-kungskreis zu suchen. Alte Liebe fesselte ihn an denpreussischen Staat und an seine Bildungsanstalten; in ihm,dachte er, wie er Passow schrieb,für seine deutsche Ge-sinnung den freiesten und günstigsten Spielraum zu finden".Von diesem Standpunkt aus musste ihm besonders eine Stel-lung in dem eben Deutschland wiedergewonnenen, Preussenüberwiesenen Rheinland erstrebenswerth erscheinen undumgekehrt war er eben für solche durch seine HanauerThätigkeit besonders gut vorbereitet. Mehrfache Verhand-lungen wurden angeknüpft: Schulze schrieb u. A. an seinenalten Haller Studiengenossen Kortüm, der jetzt als Directorin Düsseldorf wirkte; von seinen Haller Lehrern interessirtensich Wolf und Schleiermacher, die 1814 ihn in Hanau be-sucht hatten, für seine Berufung nach Preussen; schon baldnach der Befreiung des linken Rheinufers von französischerHerrschaft hatte ihm Görres mehrere bestimmte Anträge ge-macht, der damals bekanntlich von Grüner zum Director desöffentlichen Unterrichts ernannt war. Mit wärmster Sym-pathie kam Schulze dem Herausgeber des Rheinischen Merkurentgegen, von dessenherrlichem Eifer für die gute Sache"er sich grosse Wirkungen versprach. Mit hohem Genuss laser, wie Görresmit Blitz und Donnerkeilen" schleuderte;der Merkur erschien ihmwie ein Vesuv von einer hohenHand mächtig hingepflanzt in die Ecke zwischen Mosel undRhein zum Schutz und Trutz gegen das Franzosenthum"*).

Was kann das Alles helfen? Geben Sie mir Kanonen; mit Vernunft-grfinden ist bei dem nichts auszurichten". Doch ist auch sehr mög-lich, dass sich Stein zu einer derartigen Aeusserung mehr als einmalveranlasst sab. Ein bezeichnendes Gegenstück zu der unten erwähntenMittheilung Schulzes über seinen Freund ßuppreeht bietet der ebendaV, 48 abgedruckte Brief Steins vom 9. Mai 1816 über die hessischenOfficiere und namentlich über den Oberstlieutenant Baumbach, demStein sich freute eine Stellung verschafft zu haben, in welcher ernichtmehr abhängig von seinem undankbaren herzlosen Landesherrnglaubt dieser Greis, Gott werde seine Undankbarkeit gegen Männer,die für ihn Leben und Vermögen eingesetzt, ungestraft lassen?"

*) S. seinen Brief an Görres vom 24. Mai 1815 in G.s gesammelten