170 Erstes Buch. Viertes Capitel
folg aber hatten auch ihre Vorstellungen nicht. Was Schulzegefürchtet und vorher verkündigt hatte, trat ein: seine Col-legen verloren den Muth zu längerer Thätigkeit, da trotzaller Bitten und Mahnungen die ihnen gebührende Belohnungihnen nicht zu Theil wurde. Im Frühjahr 1815 ging Börschvon Hanau nach Marburg, es war nur eiu ungenügenderErsatz, dass Schulze den Pfarrer Hausknecht bestimmte, einenTheil des Unterrichts in den unteren Classen zu übernehmen;im August musste er vorstellen, dass bei dem zu befürch-tenden Abgang Hausknechts der gänzliche Einsturz des Gym-nasiums unvermeidlich sei, wenn nicht vor dem Anfang deskünftigen Semesters die vacant gewordenen Lehrerstellenwieder besetzt und zweckdienliche Mittel getroffen seien,um den Lehrern eine pünktliche Auszahlung ihrer Besol-dungen zu sichern. Wohl durfte er darauf hinweisen, dasser und seine Col legen Zipf und Rauch sich auf das äus-serste angestrengt hätten, um die Lücken auszufüllen; ebenvon seiner schweren Krankheit genesen hatte er in der ober-sten Classe noch die Geschichtsstunden und die deutschenStylübungen übernommen, so dass er allein in dieser jetztalle Lectionen mit Ausnahme des französischen und mathe-matischen Unterrichts gab. Immer mehr widmete er seineganze Arbeitskraft der Schule; von literarischen Arbeitenkonnte er deshalb nur die Ausgabe Winckelmanns fortsetzen,von welcher im Jahr 1815 der vierte Band der Kunstgeschichtemit besonders reichhaltigen Anmerkungen erschien*) und fürdie er eine Uebersetzung des Trattato preliminare anzufertigenbegann; trotzdem war er ausser Stand zu hindern, dass 42Stunden wöchentlich im Gymnasium in Folge des Lehrer-mangels unbesetzt blieben.
*) Vom 22. März 1815 ist die Vorrede zn der ersten Abtheilungdes sechsten Bandes von Winckelmanns Werken, des vierten derKunstgeschichte datirt, in welcher auf 358 Seiten der Schluss desTextes der Kunstgeschichte abgedruckt ist; am 18. December 1815sandte Schulze an Görres die zweite Abtheilung, welche nicht wenigerals 1555 Anmerkungen auf 422 Seiten enthält. Schon im März 1815hatte er auch die Uebersetzung des Trattato preliminare begonnen;Böttiger gegenüber sprach er aus, dass diese Arbeit mit nicht geringenSchwierigkeiten verbunden sei.