Druckschrift 
Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
Seite
169
Einzelbild herunterladen
 

Schulzes Krankheit u. Verheirathung. Kurprinzessin Auguste. 169

niacher einen uuvergesslichen Tag.Schulzes Freundin, ur-theilt er, ist eine durchaus gediegene ernste tiefruhige Frau,ungefähr seines Alters, aber noch immer ausgezeichnet schön.Ich zweifle nun nicht mehr, dass das Glück seines Lebensfest begründet ist und zugleich die höchste Reinigung undWeihung seines ganzen Wesens"*). Einen ähnlichen Ein-druck von der günstigen Veränderung, die nicht zum wenigstendieser Einfluss auf ihn bewirkt hatte, scheint Goethe empfangenzu haben, als er im Herbst 1814 nach Hanau kam;nie habeich, meldete bald darauf Schulze an Passow, ihn milder undfreundlicher gesehen; mein Wesen schien ihm jetzt mehr alsfrüherhin zuzusagen und er hat mich auf eine wahrhaft herz-liche Weise behandelt". Schulzes Persönlichkeit und Lei-stungen wurden damals auch in hessischen Kreisen vielfachgerühmt; die Hanauer Regierung und der Hanauer Magistratwiesen auf seine Verdienste hin; als bei seiner gefährlichenKrankheit sich das Gerücht verbreitete, er sei gestorben,schrieb Wilhelm Grimm, der persönlich ihn erst im Herbstdarauf kennen lernte:Er soll als Schuldirector viel Gutesgestiftet haben und ein geistreicher lebendiger Mann gewesensein"**). Warme Anerkennung zollte ihm auch KurprinzessinAuguste, die Schwester Friedrich Wilhelms III.; als sie durchdas Verhalten ihres Gemahls sich veranlasst sah im Winter1815 ihren Wohnsitz in Hanau zu nehmen, bezeugte ihr dortdie Bürgerschaft gleiche Theilnahme und Verehrung wie kurzzuvor in Marburg, wo noch heute ein Denkmal auf der nachihr benannten Augustenruhe an ihren Aufenthalt erinnert;die Trefflichkeit and Liebenswürdigkeit ihres Wesens, dieGoethe sieben Jahre zuvor in dem ihr gewidmeten Gedichtbesungen hatte, fesselten jetzt auch Schulze, da er von ihrbeauftragt wurde ihre beide Töchter Marie und Carolinewöchentlich zwei Stunden zu unterrichten. Sie konnte sichdabei auf das Beste von seiner Tüchtigkeit und seinem päda-gogischen Geschick überzeugen; warm verwandte sie sichfür seine und seines Gymnasiums gerechte Ansprüche; Er-

*) S. Passows Leben und Briefe S. 192.**) S. Beinen Brief an Jacob in dem Briefwechsel aus der Jugend-zeit, S. 444.