Caroline Rössler. 167
liehen Knaben Ludwig. Ihre Erscheinung zog Schulzes Auf-merksamkeit auf sich, aber zu einer näheren Bekanntschaftzwischen Beiden kam es damals nicht. Eine solche trat erstein, nachdem er sich im folgenden Sommer in dem ihr vonihrem Vater überkommenen Haus am Paradeplatz eingemiethethatte*); hier lernte er in der Schreckensnacht des Brandesdie Fassung und Umsicht, die Ruhe und den Muth seinerWirthin kennen und bewundern. Wie in diesen gefahrvollenStunden theilten Beide in den folgenden Wochen schmerz-liche und freudige Eindrücke; immer deutlicher kam ihnendabei zum Bewusstsein, wie trefflich sie sich verstanden undergänzten. Am zweiten Weihnachtstag, am 26. December 1813,erzählt Schulze selbst, „entschied sich mein Verhältniss zuFrau Böhm; wir verständigten uns zugleich dahin, unsereeheliche Verbindung nicht eher zu vollziehen, als bis meinedienstlichen Beziehungen zur kurhessischen Regierung fest-gestellt und geregelt worden". Schwer litten beide darunter,dass ein Monat nach dem andern verstrich ohne das ge-wünschte Resultat zu bringen; Ende 1814 glaubten sie, danun auch auf dem Wiener Congress die Rechte der Beamtendes Grossherzogthums Frankfurt Vertretung fanden, die Zu-kunft soweit gesichert zu sehen, um den Tag für ihre Ver-heirathung ansetzen zu können. Hierfür wurde der 3. Januar1815 bestimmt, der Geburtstag von Frau Böhm, den schonein Jahr zuvor Schulze durch ein ihr gewidmetes Gedichtgefeiert hatte. Aber gerade in der Nacht vom 2. auf den3. Januar überfiel ihn eine heftige Lungenentzündung; zwei
*) Früher hatte er in der „weissen Lilie" beim SchenkwirthPannot in der Hirschgasse gewohnt; von hier ist ein Brief an Böttigervom Juni 1812 datirt und hierauf die oben mitgetheilte Aeusserungüber die Billigkeit seiner fürstlichen Wohnung zu beziehen. In dasRösslersche Haus, in das Schulze im Sommer 1813 zog, ist später dasLandrathsamt verlegt; eben in diesem Haas sind die Brüder Grimmgeboren. Am 14. October 1815 berichtete Wilhelm, den Schulze iueinem Brief an Passow einen „gar liebenswürdigen Menschen" nennt,seinem Bruder Jakob, er habe in Hanau Schulze besucht. „Er warganz über die Massen freundschaftlich, denk, ich bin gerade bei ihmzuerst in das Zimmer gekommen, wo ich getauft wurde, und habe indes seligen Vaters Arbeitsstube gesessen". S. Beider Briefwechselaus der Jugendzeit S. 476.