138 Erstes Buch. Viertes Capitel.
aus ihren Bibliotheken auch die Hilfsmittel zu seinen Studien,die ihm in Hanau fehlten; er war Mitglied des FrankfurterMuseums und arbeitete für diese gelehrte Gesellschaft einenVortrag über die Verdienste Alexanders des Grossen umKunst und Wissenschaft aus. Besonders aber zog es ihnnach Homburg zu Isaac Sinclair*); „an ihm, schrieb er anPassow, habe ich einen neuen tiefsinnigen talentvollen Freundoptimae notae gewonnen". Durch Sinclair, den ersten Beamtendes Landgrafen Friedrich V. ; wurde Schulze auch bei diesem,dem Vater der von ihm verehrten Fürstin von Rudolstadt,eingeführt; vor allem fand sein Interesse für die zeitgenös-sische Literatur in dem Umgang mit seinem Freunde neueNahrung. Dieser hatte selbst wenige Jahre zuvor unter demNamen Crisalin drei Trauerspiele über den Cevennenkriegveröffentlicht, durch die Tieck nach seinem eigenen Bekennt-niss zu seiner Erzählung über den Aufruhr in den Oevennenangeregt "ist; unter dem gleichen Pseudonym gab er jetztGedichte heraus, die nach Schulzes Urtheil manches Schöneenthielten, wenngleich ihr Verfasser bisweilen gegen dasTechnische fehlte. Daneben hatte er im Frühjahr 1811 seindreibändiges philosophisches Werk: Wahrheit und Gewiss-heit seinem Jugendfreund Hegel übersandt, den er einmalbeabsichtigt hat nach Homburg zu ziehen; es ist für Schulzesdamalige Interessen bezeichnend, dass er in all den Sätzen,die er in seinen Briefen an Passow und später auch in seinen
*) S. über Sinclairs Leben und Schriften namentlich die ein-gehende Darstellung von Karl Schwartz, Landgraf Friedrich V. vonHomburg I, 191—251, über seine Beziehungen zu Hegel Rosenkranz,Hegels Leben S. 81 ff. 268 ff., über seine Freundschaft mit HölderlinChristoph Schwab in der seiner Ausgabe von Hölderlins sämmtliehenWerken eingefügten Biographie des Dichters II, 287. 295 ff. Schwabhat die hier über S. gemachten Mittheilungen in seiner'Einleitung zuden 1874 veröffentlichten „Ausgewählten Werken Hölderlins" wieder-holt und S. 29 die irrthümliche Behauptung hinzugefügt, SinclairsNachlass sei in Schulzes Hände gekommen, leider aber durch einenunglücklichen Zufall vernichtet worden. Neue Zeugnisse für die treueFreundschaft, die Sinclair Hölderlin bewährte, sind 1883 in der vonKelchner herausgegebenen Schrift über Hölderlins Beziehungen zuHomburg veröffentlicht.