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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
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132 Erstes Buch. Viertes Capitel.

das religiöse Gefühl zu wecken und zu nähren". Dagegenglaubte er, dass die religiöse Bildung nicht durch die üblicheArt des Religionsunterrichts gefördert werde; er wollte andessen Stelle ein „durch alle Olassen fortgehendes sinnigesLesen der Bibel" einführen und dem Lehrer, der dasselbeleitete, „überlassen, über einzelne Stellen in dem Buch derBücher sowohl seine eigenen religiösen Gefühle auszusprechenals auch in seinen Schülern ähnliche Empfindungen zu er-wecken". Die Lehre der „Dogmen des Christenthums inihrer verschiedenen Bedeutung" betrachtete er als „Sache derKirche, zu welcher sich jeder einzelne Gymnasiast bekennt",sie liege „nicht dem Gynmasio ob, welches, weil es die re-ligiöse Bildung für identisch mit der wahrhaft wissenschaft-lichen erkennt, sich nie anmassen wird die Religion einzelnund abgesondert lehren zu können. Aber jeder Lehrer desGymnasii unterrichte mit Religion; er lasse kein Mittel,keine Gelegenheit vorüber, das höhere religiöse Gefühl seinerSchüler in Anspruch zu nehmen und früh in ihren jugend-lichen Gemüthern zu erwecken eine fromme Liebe zum Un-endlichen, der sich in der Natur und Geschichte offenbart;mit Gott und einem Gebet zu ihm beginne und ende täglichder Unterricht auf dem Gymnasio."

Nicht weniger bezeichnend als diese Ausführungen Schulzesüber die Lehrgegenstände eines Gymnasiums erscheinen seineVorschläge hinsichtlich der Art und Folge ihrer Behandlung.Das Gymnasium sollte in fünf Hauptclassen zerfallen, dieder Regel nach'in sieben Jahren zu absolviren waren. FürQuinta war 1 / i Jahr, für Quarta 1 Jahr, für Tertia 1% Jahre,für Secunda und Prima je zwei Jahre bestimmt. In letzteresollte kein Schüler versetzt werden, der nicht in der deutschen,griechischen und lateinischen Grammatik fest sei; um dievorzüglichsten Primaner gerade in den Sprachen weiter zufördern, sollte hierfür wie in Weimar eine Selecta eingerichtetwerden; die Gegenstände der hier zu ertheilenden Lectionen„könnten sich auf den gesteigerten Unterricht in der deutschen,griechischen und lateinischen Literatur beschränken, so dassdie Selectaner zugleich mit den Primanern an dem eigent-lichen Unterricht in den Wissenschaften Theil nähmen und