Notwendigkeit von Reformen. Pauli. 127
curator des öffentlichen Unterrichts im GrossherzogthuniFrankfurt Pauli sich aufhielt*). 1762 in Mainz geboren,hatte dieser sich als Leibarzt des Kurfürsten FriedrichKarl verdient und bekannt gemacht; als an dessen StelleDalberg trat, wollte auch er Paulis Talente und Thätigkeitin seinem Dienste verwerthen, aber da er grundsätzlich niemedicinische Hülfe in Anspruch nahm, auf anderem Gebiet;wie in Oestreich dem Leibarzt Maria Theresias van Svvietenwurde so auch hier einem Mediciner massgebender Einflussauf das Unterrichtswesen eingeräumt. Pauli bewährte sichdabei nach Schlossers Urtheil als „ein ungemein wohlwollen-der und fein gebildeter Mann"; nachdem er auf mehrfachenReisen sich selbst orientirt und auch Pestalozzische Anstaltenbesucht hatte, arbeitete er zunächst namentlich in Aschaffen-burg und Frankfurt eifrig an einer Besserung des Elementar-unterrichts und des höheren Schulwesens. Trotz seiner „ge-messenen geselligen Formen" kam er dem um 24 Jahrejüngeren Schulze „fast vertraulich" entgegen; er versprachihn bald selbst auch in Hanau aufsuchen zu wollen; errieth ihm sich zunächst persönlich seinem neuen Herrscherin Aschaffenburg vorzustellen. Hier fand Schulze eine nochfreundlichere Aufnahme. Dalberg war 18 Jahre älter alsPauli, demnach 42 Jahre älter als Schulze; „er empfing mich,sagt letzterer, wie ein Vater seinen Sohn und lud mich so-gleich zu seiner Tafel, die er wöchentlich zwei Male hielt;an den übrigen Tagen blieb er auf seinem Arbeitszimmerund Hess sich sein Mittagsessen nebst einem Schoppen Land-wein aus einem gewöhnlichen Gasthaus holen". Zeigte erselbst sich Schulze gegenüber „lebendig und theilnehmend",so konnte dieser sich auch über seine Umgebung nicht be-klagen, in der damals noch Caroline von Wolzogen sich be-fand; neu lernte er jetzt hier des Grossherzogs Lieblings-bruder Hugo von Dalberg, den kurz zuvor zum Finanz-minister ernannten Grafen Benzel-Sternau, den Weihbischofvon Kolborn und dessen Neffen Professor Windischmann
*) TJeber Pauli s. namentlich den Neuen Nekrolog der DeutschenJahrgg. 1829 n. 386 S. 833 ff. Schlossers Urtheil s. in dessen obenerwähnter Selbstbiographie S. 40 ff.