Urtheile über Karl von Dalberg. 121
haben mit Recht hervorgehoben, wie in immer .wachsendemGrad die schädlicben Folgen seines^Napoleoncultus auch fürdas von ihm besonders geliebte und geförderte Prankfurtsich geltend machten. Aber neben dunkelem Schatten fehltes in ihren Zeichnungen Dalbergs nicht an hellem Licht.Seinem „empfänglichen Gemüth" mass Knebel die Schuld bei,dass er „in die bösen Schlingen des sehlauesten Bösewichtsgerieth"; mehr als einmal hat er in seinem Vertrauen zuMenschen sich schwer geirrt; da er, wie Schlosser urtheilt,„zu oft den glänzenden Schein mit dem inneren Werth ver-wechselte", hat er vielfach Unwürdige und Undankbare be-günstigt. So erlebte er nicht ohne eigene Schuld viele Ent-täuschungen, doch liess er sich dadurch nicht irren, er er-müdete deshalb nicht in seinen echt humanen Bestrebungen;nie hat sein „Herz in kalter stolzer Ruh sich der Liebe zu-geschlossen". Stets rührig, theilnehmend, fördernd, wie Goetheihn beschreibt, hat er anregend auf nicht wenige seiner Zeit-genossen gewirkt, eine Fülle von Wohlthaten gespendet, vieleThränen getrocknet. Auch Schulze sollte erfahren, mit wiegutem Grund Caroline von Wolzogen ihm bei seiner Be-rufung nach Hanau geschrieben hatte: „das Herz ist dasewig lebendig unzerstörbare im Menschen, und kein edlereshat je geschlagen als das des Grossherzogs, was auch Weltund Schicksal und momentane Umgebungen oft für Wolkendarüber hinführen mögen".
Diese und ähnliche Aeusserungen weisen uns daraufhin, was viele hervorragende Männer und Frauen an Dalberggefesselt hat; besonders bezeichnend erscheinen mir dieanerkennenden Worte, die ihm Schlosser in seiner Geschichtedes 18. Jahrhunderts widmet. „Wenn auch, lesen wir hier,seine Phantasie wie sein zur Liebe geneigtes Gemüth viel-leicht zu'beweglich war, sein Verstand hie und da zu leichtirre geleitet werden konnte, so hatte er doch für alles Guteund Grosse einen regen Sinn und seine Mängel und Schwächen
43 ff. 132 ff. 200. 213. 345ff. 437ff. 463ff. Noch nicht benutzen konnteBeaulieu auch die unter den neueren Schilderungen Dalbergs besondersbeachtenswerthe Charakteristik, die von ihm Seeley in seinem LebenSteins (v. III der Tauchnitz edition p. 33 ff.) geliefert hat.