Druckschrift 
Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

120 Erstes Buch. Viertes Capitel.

stellerische noch auf seine politische Seite Gewicht zu legenbrauchte. In beiden giebt er Blossen. Man muss ihn zeigen,worin er wirklich einzig war, in dem grossen Adel des Ge-fühls und der Gesinnung, der unendlichen Grazie, dem reg-baren Sinne, dem unerschöpflichen Reichthum an Anregungenzu Ideen, wenn auch nicht immer wirklich Ideen darauswurden, woraus auch sein Witz entsprang, seiner Freiheitvon allen kleinlichen Rücksichten. Diese Seiten am Menschenverlöschen im Leben, die Geschichte deutet sie kaum an, siesind aber doch die Angeln der Weltbegebenheiten, da sievon Geschlecht zu Geschlecht das Innerste der Menschenanregen und bilden".

Als wohlwollend, milde und nicht unwahr bezeichnetPerthes diese Worte, mit denen er seine Charakteristik Dal-bergs beschliesst. Die Aufklärungen, die uns seitdem überdessen Leben und Wirken geboten sind, haben die Feinheitund Richtigkeit der Andeutungen Humboldts in noch helleresLicht gesetzt. Dass er vom Standpunkt des Freundes ausguten Grund zu dem Zweifel hatte, ob es im Interesse Dal-bergs liege,geradezu sein Leben zu schreiben", hat Beaulieu-Marconnays Biographie erwiesen, denn stark traten in seinereingehenden objectiven Schilderung die Schwächen nament-lich des Politikers hervor. Der Eifer, mit welchem derdeutsche Schwärmer sich als dienstwilliges Werkzeug vondem fremden Zwingherrn missbrauchen liess, verletzt unserpatriotisches Gefühl, seinem Charakter ist dadurch nachKnebels treffendem Wortein schwerer Makel", ihm undseinen Unterthanen viel Unglück gebracht. Wer die neuer-dings erschienene ausführliche Geschichte der Truppen desGrossherzogthums Frankfurt gelesen hat, wird den Unwillennur zu begreiflich finden, mit welchem ihr Verfasser sichüber den Grossherzog äussert; auch Kirchner und Steitz*)

*) S. ausser den schon von Beaulieu-Marconnay in seinem Buchüber Karl von Dalberg und seine Zeit aufgeführten älteren SchriftenBeider die erst 1879 veröffentlichten Erinnerungen an Anton Kirchnervon Gr. E. Steitz S. 11. In der 1882 in Berlin herausgegebenen Dar-stellung derSchicksale des Grossherzogthums Frankfurt und seinerTruppen" von dem 1882 ermordeten G. Bernays s. besonders S. 6 ff.