Archiv für deutsche Nationalbildung. Schutzes Reise 1810. 113
beiden Freunden der Gedanke erschien wieder vereint an der-selben Anstalt und frei von allen Schwierigkeiten, mit denensie in Weimar zu kämpfen hatten, für ihre Ideale wirkenzu können, so zweifelte Passow doch von vornherein sehr,ob sich derselbe werde realisiren lassen; im Februar 1811musste er mittheilen, dass die Curatoren des Conradinums nichtim Stande seien, Schulzes Stellung in Jenkau so zu gestal-ten, wie er hatte fordern müssen. Andere Aussichten hattensich ihm damals bereits eröffnet. Hierfür wichtige Bekannt-schaften hatte er auf einer grossen Reise gemacht, die er inverlängerten Sommerferien 1810 unternommen hatte.
Sie führte ihn nach Süddeutschland, der Schweiz undOberitalien. Nach einem dreitägigen Aufenthalt in Fulda fuhrer von dort über Frankfurt schnell nach Strassburg; hierverweilte er etwas länger, um den Münster und „fast alleGelehrte und Künstler" der Stadt kennen zu lernen, dannwanderte er über Freiburg, Scbaffhausen und Zürich nachdem Vierwaldstätter See. An einem wolkenlosen Morgen be-stieg er den Rigi und erfreute sich herrlichster Aussicht; nachdem Besuch des Rütli und der Tellscapelle wanderte er überden Gotthard bis tief in das Mailändische. Hier fesselten ihnder Lago Maggiore und die Borromäischen Inseln; über denSiuiplon ging er in das Rhonethal und nach dem Genfer See;den Rückweg schlug er über Bern, Basel, den Elsass, Speierund Heidelberg ein. Nicht nur auf dem Rigi war er vomWetter ausserordentlich begünstigt; am Genfer See, den er
der in einem Brief an Passow vom October 1811 diesem selbst schrieb,dass er dem „Unternehmen wenig Glück weissagen zu können" glaubte.Mit Bedauern betrachtete er „die babylonische Verwirrung, welche durchden Pestalozzischen Erziehungsgang Deutschlands ergriffen" und erklärtees für ein „Unglück, dass man die Grundsätze und Maximen, nach wel-chen man lehrt und handelt, früher als die Lehre und das Handeln selbstöffentlich werden lässt, da doch sowohl das Beispiel der älteren Weisen,als die Erfahrungen an dem neueren Thun und Treiben uns hättenaufmerksam machen sollen, dass man seinen Zweck vernichtet, indemman ihn voraussetzt, dass eine Handlung, wenn sie glückt, nicht con-testirt wird, wohl aber nichts mehr Widerspruch erleidet, als eine vor,ja sogar nach der That ausgesprochene Maxime." Strehlke, GoethesBriefe II, 36.
Varrentrapp, Joh. Schulze. 8