HO Erstes Bach. Drittes Capitel.
dass, was in der Wissenschaft als das Beste in seiner Art an-erkannt worden, für eine gebildete Frau gerade gut genug ist."So mannigfache Beziehungen hat Schulze in Weimar an-geknüpft, so vielfach bildende Eindrücke hier empfangen.Seine ganze weitere Entwicklung ist dadurch beeinflusst; ge-rade bei der Lebhaftigkeit, mit welcher er auf verschieden-artigste Anregungen einging, bei der Vielseitigkeit seinerInteressen und Beschäftigungen war es aber für ihn doppeltschwer die Ruhe und Klarheit harmonischer Bildung zu ge-winnen, nach welcher er mit heissem Bemühen strebte. Erselbst erkannte die Gefahr, von der sein Freund Passow iDdem ihm gewidmeten Gedicht geredet hatte,
Da ss formlos dehnt sich alles in die BreiteUnd in der Tief erstirbt der Lebenssaft.
Er beschränkte nicht nur seinen geselligen Verkehr und seinenTheaterbesuch, sondern er suchte auch in seiner Thätigkeitsich mehr zu concentriren. Mit aus diesem Grund hat er seitdem Herbst 1810 nicht mehr die Kanzel betreten; immerdeutlicher kamen ihm die Schwierigkeiten zum Bewusstsein,die gerade diese Wirksamkeit bot. Als er Passow die Voll-endung des Drucks der zweiten Sammlung seiner Predigtenanzeigte, schrieb er ihm: „Je tiefer die Religion in meinemWesen Wurzel fasst, je mächtiger sie in meinem Innerstenlebt, um desto klarer erkenne ich, dass nichts schwierigerist, als mit Religion über Religion zu reden und zu schreibenUnd so soll dieses Buch auch das letzte sein, was ich indieser Form und auf diesem Gebiet liefere." Wie schon obenerwähnt, glaubte er nach seinen Leistungen den Forderungen,die er an den Prediger stellte, nicht genügen zu können; erfürchtete, wie er hinzufügt, der Beifall, den zahlreiche Zu-hörer ihm spendeten, könne für ihn „die Quelle persönlicherEitelkeit werden und die tiefe Gemüthsbewegung, mit welcherer jedesmal die Kanzel bestieg, ihn selbst körperlich vor derZeit aufreiben." Solche Motive führten ihn zu dem vielenseiner Freunde unerwarteten Entschluss, von dem er sichauch durch Bitten und Vorstellungen nicht abbringen liess.Er schrieb an Passow, er fühle zu seiner Freude, dass dieZurückgezogenheit, der er sich ergebe, dazu beitrage, „sein