Lotte Schiller. Familie Fritscli. 109
zu erinnern, die Sie mir und meiner Schwester vorigen Sommerdurch Ihren schönen Vortrag und Vorlesungen so freundlicherheiterten"*). Schulze selbst erwähnt, sein Verhältniss zu Ernstvon Schiller habe „auch seine geselligen und freundschaft-lichen Bezüge zu seiner Tante, Caroline von Wolzogen undzu seiner Grossmutter, der Frau von Lengefeld in Rudolstadtbefördert; es war mir vergönnt, der ersteren in abendlicherMüsse die Tragödien des Sophokles in der von ihr selbstgewählten Uebersetzung Stolbergs vorzulesen."
Auch mit andern Weimarer Damen stand er in geistiganregendem Verkehr. Freundliche Aufnahme hatte er nament-lich in der Ziegesarschen Familie und im Hause von JacobFriedrich von Fritsch, dem Minister Amaliens und KarlAugusts gefunden**). In der Müsse seines Alters widmete sichdieser nach dem Zeugniss seines Biographen Beaulieu-Mar-connay dem Genuss seiner ansehnlichen Bibliothek und folgte,,mit grösstem Interesse den gewaltigen Ereignissen der Zeit-geschichte"; ihm gefiel Schulzes freirnüthige Rede; dieseninteressirte besonders, dass sein Gönner einst in NothenitzWinckelmanns persönliche Bekanntschaft gemacht hatte unddass in seinem Besitz sich ein schönes Oelgemälde befand,welches Lessing „in voller Jugendblüthe, in einem blauenRock und in einer blauen Weste darstellte". Zwei Töchter vonihm hatte Schulze schon in Leipzig kennen gelernt, Frau vonHopfgarten und Frau von Niebecker. Im Hause der Ersterenverbrachte er in Weimar viele Sonntagsabende; „ich stelltemir, erzählt er, die Aufgabe, ihr die sämmtlichen DramenShakespeares vorzulesen. Ihrer Schwester, der Frau von Nie-becker und ihren beiden bereits erwachsenen Töchtern hieltich in zwei wöchentlichen Stunden einen zu dem Ende vonmir ausgearbeiteten Vortrag über die Geschichte der helle-nischen Poesie und machte hierbei aufs Neue die Erfahrung,
*) Beide Briefe sind dem von Charlotte an Schulze geschenktenExemplar des ersten Bands des Schillerschen Theater vorgeheftet, dasin seiner Familie zum Andenken an Beider Verkehr aufbewahrt wird.**) Ueber die Familie Fritsch s. ausser Beaulieu-Marconnays Artikelin der Allgemeinen deutschen Biographie VIII, 110 ff. und der dortverzeichneten Literatur Biedermann, Goethe-Forschungen I, 215 ff.