106 Erstes Buch. Drittes Capitel.
zoll, der spätere Professor der Rechte in Giessen und Leipzig,und Friedrich Osann hervorzuheben, der in Giessen lange Jahredie philologischen Studien geleitet hat; letzteren, einen derjüngeren Brüder des oben erwähnten, früh verstorbenen KarlOsann, mit dessen „an Charakter und Verstand gleich ausge-zeichneter" Mutter Schulze unter einem Dach wohnte, hatteer durch Privatunterricht zur Prima vorbereitet*). Besondersrühmte er in seinen Briefen an Passow Johann Herbst ausPösneck in Koburg, der später Director in Wetzlar wurde;im Februar 1812 stellte er ihm bei seinem Abgang vomGymnasium ein Zeugniss**) aus, welches für den Lehrer nichtweniger charakteristisch ist, als für den Schüler. „Die Spracheder Hellenen" wird hier über Herbst gesagt, „und die Ge-schichte dieses grossartigen Volks, zu dessen Leben und Dich-tungen er sich besonders hingezogen fühlte, suchte er vermögeseines schnell und- scharf auffassenden Verstands gründlichkennen zu lernen, und die ganz vorzüglichen Kenntnisse, welcheer sich auf diesem Gebiet des Wissens erworben, wirktenwohlthätig zurück auf seine Muttersprache, in welcher er sichklar, leicht und verständlich ausdrücken lernte, so dass seineAusarbeitungen sich eben so sehr durch die Form als durchden geistreichen Inhalt empfahlen. Sein Talent im Auffasseneiner fremden Eigenthümlichkeit wie seine Empfänglichkeitfür wahre sittliche Grösse zeigte er besonders in seinen Ueber-setzungen des tiefsinnigen Römers, der auf den Trümmerndes eingesunkenen römischen Freistaats wehmüthig trauernddas unwiderbringlich Verlorne vergebens zurückwünschte und
•) Marezoll hebt in seiner Selbstbiographie (in Justis Portsetzungder Striederschen hessischen Gelehrtengeschichte) S. 442 hervor, dasser von seinen Lehrern auf dem Weimarer Gymnasium, welches er 1809—1811 besuchte, dem Director Lenz und den Professoren Passow,Schulze und Hand besonders viel verdanke; über Schulzes Verhältnisszu F. Osann s. W. Wiegand, Professor Friedrich Osann, Giessen 1859,S. 9; über Friedrich Osanns Mutter, die in zweiter Ehe sich mit demMinister Voigt verband, s. namentlich 0. Jahns Einleitung zu seinerAusgabe der Briefe Goethes an Voigt S. 111 ff.
**) Herbsts Sohn, Wilhelm Herbst, hatte die Freundlichkeit mirdieses Zeugniss mitzutheilen; er schrieb mir dabei, dass -sein Vaterihm „von der fast convulsivischen Lebendigkeit Schulzes als Schul-mann" erzählt habe.