Schriftstellerische Arbeiten und Lehrthätigkeit. Hand. 105
Dies sein Streben hat auch in den letzten Jahren seinesWeimarer Aufenthaltes erfreuliche Früchte gezeitigt. Aller-dings musste er seit dem Herbst 1810 des besten Helfersentbehren. Passow verliess damals Weimar, da er als Mit-director des Oonradinum nach Jenkau bei Danzig berufenwar. Er hatte Schulze zu dessen letztem Geburtstag, den siezusammen verlebten) mit Recht aussprechen dürfen, dass desFreundes „tiefster Sinn sich ihm enthüllt"*). Ihr gegenseitigesVerständniss, ihr übereinstimmendes warmes Interesse an dergemeinsamen Thätigkeit hatte diese und zugleich ihrer Beidermenschliche und wissenschaftliche Entwicklung mächtig ge-fördert. Mit Sehnsucht dachte der Zurückgebliebene später andie Tage zurück, da sie zusammen gewirkt, zusammen an denErfolgen ihres Unterrichts sich gefreut hatten. Von Beidenwar schon nach der Richtung seiner Studien wesentlich Pas-sows Nachfolger verschieden: Ferdinand Hand, ein SchülerGottfried Hermanns, der noch in Leipzig mit Passow sichbefreundet, dort 1807 promovirt und 1809 sich habilitirt hatte.Ihn interessirten schon damals in erster Linie sprachlicheUntersuchungen, deren Ertrag er später in seinem Schulzegewidmeten Lehrbuch des lateinischen Stils und in seinemTursellinus veröffentlichte. Schien er den Werth der Sprach-kenntniss dem neuen Collegen zu sehr zu betonen, so schätztedoch auch dieser sehr seine Gründlichkeit, sein ernstes Streben,seine Bescheidenheit und seine Treuherzigkeit; aus gegen-seitiger Anerkennung ihrer verschiedenartigen Naturen ent-wickelte sich zwischen Beiden ein freundschaftliches Verhält-niss, an dem sie auch nach ihrer Trennung festgehaltenhaben**). Unter ihren gemeinsamen Schülern*'**) sind Mare-
*) In dem in Passows Vermischten Schriften S. 349 ff. unter derUeberschrift: „An J. S. zum 1-5. Januar 1810" abgedruckten Gedicht,das einem für beide Freunde charakteristischen Geschenk, einem Exem-plar von Jacob Böhmes Schriften beigefügt war.
**) Vgl. Queck, Ferdinand Gotthelf Hand nach seinem Leben undWirken. Jena 1852, S. 41.
***) Nach dem Intelligenzblatt der Jenaischen Allgemeinen Litera-tur-Zeitung vom 2. December 1811 Nr. 79 sassen im Herbst 1811 inSelecta 9, in Prima 56, in Secunda 60 Schüler; Schulze erklärte inSelccta Herodot und leitete die schriftlichen Hebungen im Griechischen,