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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
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Schulzes Schüler in den Jahren 18101812. 107

wenigstens in seinen unsterblichen Werken der spätesten Nach-welt beurkundete, dass er noch ein Römer war. Ein Jüng-ling, der wie Johann Herbst seinen Geist mit den schönstenBlüthen des Alterthums zu nähren und zu veredeln suchte,muss nothwendig auch im Leben und Handeln nach Eben-rnass, einnehmender Sitte und Besonnenheit streben und diesesLob wird ihm jeder mit seinem Wesen Vertraute freudig er-theilen."

Zu seiner Befriedigung hatte Schulze durchgesetzt, dassan einigen seiner Stunden auch Ernst Schiller Theil nehmendurfte; da dessen bisheriger Lehrer Bernhard Abeken 1810nach Rudolstadt berufen war, gab er ihm auch unentgeltlichPrivatunterricht; er liess ihn deutsche Aufsätze schreibenund las mit ihm classische Werke, unter andern den Oedipusauf Kolonos.Es gereichte mir", sagt er,zur innigen Freude,den Dank und die Verehrung, die ich für seinen Vater imHerzen trug, in etwas bethätigen zu können." Er kam da-durch auch in nähere Beziehungen zu der Mutter seinesSchülers; mehrfach spricht sie in ihren Briefen an PrinzessinCaroline*) von ihrerkurzen Ehe", wie sie scherzweise ihrVerhältniss zu Schulze und dann diesen selbst bezeichnete.Deutlich prägt in ihren Urtheilen die Sicherheit und Ueber-legenheit der gereiften Frau gegenüber dem stürmischen Wesendes jugendlichen Enthusiasten sich aus, bei dem eskeinenMittelzustand" gab, deralles entweder göttlich oder ab-scheulich" fand; ihr entging nicht der Unterschied zwischenseiner und der Sprache Schillers, Goethes und Herders, anderen Umgang sie gewöhnt war. Schon ehe er der Lehrerihres Sohnes wurde, war er ihr durch ihrer Beider Bezie-hungen zu den fürstlichen Familien in Weimar und Rudol-stadt bekannt geworden; als sie im Sommer 1809 ihn inSchwarzburg hatte predigen hören, schrieb sie an Goethe:Wer die schöne ruhige Erscheinung eines Herders gesehenhat, die blühende Sprache mit dem wohlklingenden Ton vor-getragen und,dem reichen, oft auch poetischen Inhalt seiner

*) Charlotte von Schiller und ihre Freunde I, 543 ff. Den Briefan Goethe vom 27. August 1809 s. im Goethe-Jahrbuch IV, 259 f.