100 Erstes Buch. Drittes Capitel.
hierin Winckelmaiins letztem Willen Folge, der jede Ver-änderung des Textes untersagt hatte. Dagegen glaubtenMeyer und er allerdings wider Winckelmanns Wunsch neueAnmerkungen seinem Werke hinzufügen zu müssen; hatte ernach dem Lessingschen Wort „mit der edelen Zuversicht deralten Artisten gearbeitet, die allen ibren Fleiss auf die Haupt-sache verwandten und was Nebendinge waren mit einer gleich-sam vorsätzlichen Nachlässigkeit behandelten", so suchtensie, wie früher schon seine italienischen Uebersetzer, seineso entstandenen kleinen Versehen zu tilgen und nachzu-tragen, was für oder wider seine Meinung aus der erweiter-ten Kenntniss der Denkmäler und neueren Forschungen sichentnehmen Hess. Ihr ganzer Ton sollte dabei, wie Schulzesagte, zeigen, „wie wenig wir zusammen stimmen mit derin unsern Tagen so häufigen Menschenbrut, welche undank-bar gegen frühere unsterbliche Verdienste, voll Anmassungund Eigendünkels vorwitzig modelnd und meisternd geradegegen die Männer auftritt, welche ihr zuerst die blödenAugen geöffnet und es ihr möglich gemacht haben selbstdas Wenige zu sehen, was ihr beschränkter, stets vom Ein-zelnen befangener Blick zu fassen vermag". Sie wollten ebendesshalb hier nicht ihre Gelehrsamkeit zur Schau stellen, siestrebten nach möglichster Kürze; dennoch sind ihre Noten zusehr bedeutendem Umfange angewachsen. Schlegel legte den-selben nicht nur weit höheren Werth als den BemerkungenFernows bei, er schrieb ihnen einen sehr schätzbaren Gehaltzu; Justi erklärt, dass „dieser Commentar die Brauchbarkeitdes Buchs um ein halbes Jahrhundert verlängert hat". Aller-dings hebt er nur das Verdienst von Meyer hervor, der „dieweit bedeutendere auf die Kunst bezügliche Hälfte lieferte";mit welchem Eifer und welcher Gewissenhaftigkeit Schulzedie ihm überwiesene philologische Arbeit zu fördern bemühtwar, ersehen wir aus einer Aeusserung Passows und nament-lich aus seinen eigenen Briefen an Böttiger, der in Dresdenam Ort des Drucks wohnte und sich für denselben thätiginteressirte. Schon im März 1809 meldete Schulze, dass ereifrig beschäftigt sei, um den Text der Kunstgeschichte mitder grössten Genauigkeit herzustellen, zugleich alle vor-