98 Erstes Buch. Drittes Capitel.
dem Hauptwerke des „nie verstummenden Herolds der Kunstder Hellenen" gewidmet war, der nach Wolfs Worten „ausden Alten ihren Geist gewonnen und mit diesem Geist allesgeschrieben", den als „antike Natur" Goethe gerühmt hat.Auf Winckelmann war Schulze, wie oben' erwähnt, be-reits in Halle durch Wolf hingewiesen; dieser hatte amSchluss der Skizze, die er zu Goethes Schrift über Winckel-mann und sein Jahrhundert beigesteuert hatte, die Frageaufgeworfen: „Sollte nicht endlich der Wunsch nach einervollständigen Sammlung der Schriften Winckelmanns unterdem Volke rege werden, das ihm so vielen Nationalruhmbei den Ausländern verdankt?" Kurz vor Schulzes Ankunftin Weimar war 1808 unter Goethes Auspicien, unter aus-drücklichem Hinweis auf seine Charakteristik Winckelmannsim Verlag der Waltherschen Buchhandlung in Dresden derAnfang einer solchen Sammlung durch Fernow veröffentlicht;aber noch ehe der zweite Band vollendet war, starb dieserim December des genannten Jahres. Schulze hatte mit ihmItalienisch getrieben, mit ihm Tassos Befreites Jerusalemgelesen; in der Loge Amalia hielt er am 10. Januar 1809eine Trauerrede zum Andenken an den Geschiedenen. Ihmwurde nun der Antrag gemacht dessen Arbeit fortzuführen.Heiurich Meyer, Goethes Kunst-Meyer, hatte schon um denunter Fernows Namen veröffentlichten Theil der Ausgabesich ein grosses Verdienst erworben, indem er namentlichzu dem den zweiten Band abschliessenden „Versuch einerAllegorie" Anmerkungen und Zusätze geliefert hatte; er kamjetzt zu Schulze und erklärte, wie dieser berichtet, er werdenur dann seine seit vielen Jahren zu Winckelmann ge-sammelten Bemerkungen herausgeben, wenn Schulze bei derFortsetzung des Unternehmens sich betheilige. Daraufhinentschloss sich dieser die Aufgabe zu übernehmen, bei derenLösung allerdings viel grössere Schwierigkeiten als bei denin den ersten beiden Bänden vereinten kleineren SchriftenWinckelmanns zu überwinden waren*). Denn von der Kunst-
*) Schon früher hatte Goethe dieselben nachdrücklich betont.„Besonders die Kunstgeschichte, schrieb er am 1. Mai 1809 an Voigt,ist durch die Wiener Ausgabe und durch Zusätze, welche Winckel-