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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
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95
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Schulze und Goethe über Calderon. 95

schrieben zu sehen. Aber sehr wenig entsprach die so ent-standene Arbeit Goethes Wünschen; er schrieb an Carolinevon Wolzogen*), er sei dadurch „mehr betrübt als erfreut.Das Gute, was dieses Schriftchen enthält und was ihm mitRecht Beifall verschaffen rnuss, wird in meinen Augen durchunselige Fratzen völlig wieder aufgehoben, um so mehr alser nicht die rechte, sondern die falsche Wirkung zum eigent-lichen Zweck seiner Arbeit macht". Man kennt die enthusi-astischen Worte, in denen Goethe sich 1804 nach der erstenLeetüre über den standhaften Priuzen ausgesprochen, denEifer, mit dem er in den folgenden Jahren das Studium desspanischen Dichters und seine Einbürgerung auf der deutschenBühne betrieben hat; er wollte dieser dadurch „eine ganzneue Provinz erobern", den Universalismus deutscher Bildungfördern. Statt dessen sah er jetzt bei Calderon gerade dasals allgemein musterwürdig verherrlicht, was in Wahrheitnur aus der historischen Bedingtheit und Beschränktheit desSpaniers des 17. Jahrhunderts zu erklären war; es erschienihm als eine ernste Gefahr, dass die Deutschen mit „wenigBegriff von Calderons wahrer Stärke dessen zarte Seite mitihrer schwachen in Rapport setzten"**). Einen Vertreterdieser einseitigen und gefährlichen Calderon-Schwärmerei,einen Apostel der ihm gründlich antipathischen „neuerenreligiösen Poesie und poetischen Religion" erblickte er inSchulze, dessen Schrift als Motto das Wort Schleiermachersvorgesetzt war: „Wenn die Philosophen werden religiös seinund Gott suchen wie Spinoza und die Künstler fromm seinund Christum lieben wie Novalis, dann wird die grosse Auf-erstehung gefeiert werden für beide Welten". Verurtheilteder Verfasser auch „verkehrten Mysticismus" und „tolle Be-kehrungssucht" nicht minder als „kalte Verständigkeit", prieser eben Goethe als einen der „wenigen sinnigen Priesterdes Ewigen", so fand dieser doch in solchem Lob eine Ver-kennunp- seiner eignen Bestrebungen; es konnte ihn nur ver-

*) Am 28. Januar 1812. Literarischer Naehlass der Frau Carolinevon Wolzogen P, 420 ff.

**) S. seine Worte vom 17. October 1812 in Riemers Mittheilungenüber Goethe II, 649