Iffland. Aufführung des Standhaften Prinzen. 93
Er hatte Iffland nie mit solcher Vollendung spielen sehen;den Grund davon sah er „zum Theil in der schönen Art undWeise, wie die Mitglieder unserer Bühne, die unter der geist-vollen Leitung ihres grossen Meisters zu ihren alten Vor-zügen täglich neue gesellt, in Ifflands sinniges Spiel freund-lich zuvorkommend eingingen"; er freute sich um so mehrder bedeutenden Aufgabe, die ihnen in den folgenden Monatendurch die Einstudirung von Calderons „Standhaftem Prinzen"gestellt wurde. Am 30. Januar 1811 erfolgte nach „den ern-stesten und treuesten Bemühungen" die erste Aufführung;welch mächtigen Eindruck sie machte, zeigt besonders dereingehende Bericht, den Lotte Schiller an die Prinzess Carolinesandte. Wie sie schrieb auch Schulze in Briefen an Passowdas grösste Verdienst an dem Erfolg Goethe zu, lobte aucher unter den Schauspielern namentlich Oels, welcher die Rolledes Muley übernommen hatte; weniger einverstanden war ermit Wolffs Don Fernando; er urtheilte, dass ihm hierzu dieKraft und die Hauptsache, der Glaube, fehle. Schon deshalbäusserte er sich nur im Allgemeinen anerkennend über dieLeistungen der Schauspieler in der Schrift, die er noch 1811„über den standhaften Prinzen" drucken Hess*) als ein „Denk-mal seiner Dankbarkeit gegen die Manen Calderons". Umden Verehrern „dieses echt christlichen Trauerspiels" es zuermöglichen, „den Dichter auf seinem Schöpfungsgange zubelauschen", gab er zunächst einen Auszug aus der Quelle,aus welcher Calderon höchstwahrscheinlich das Historische
Ifflands Spiel auf dem Weimarischen Hof-Theater im September 1810.Von Johann Schulze. Weimar, im Verlag des Laudes-Industrie-Comp-toirs. 1810.
*) Der auf 116 S. 8° ebenfalls im Verlage des Landes-Industrie-Comptoirs in Weimar 1811 veröffentlichten Schrift „über den stand-haften Prinzen des Don Pedro Calderon", sind zwei Kupfer, welche Wolffals Prinzen und Oels als Muley darstellen, und eine Musikbeilage, eineCompositum des Gesangs der Christensklaven beigefügt; die Widmungan Caroline von Hopfgarten ist vom 3. November 1811 datirt. EinigeHauptsätze dieser Schrift hat neuerdings mit den Urtheilen andererAutoren über den standhaften Prinzen Krenkel in der Einleitung zuseiner Ausgabe des Stücks (Classische Bühnendichtungen der Spanier1, 170 ff.) zusammengestellt.