Druckschrift 
Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
Seite
88
Einzelbild herunterladen
 

88 Erstes Buch. Drittes Capitel.

Sinn zu bewähren und mit fester Zuversicht zu hoffen, dassder Geist, welcher ihn treibt, einst überall, soweit deutscheSprache tönt und deutsche Sitten reichen, mit Ruhm undWürde walten und lebendig machen werde, was jetzt schlaff,erstorben und todt ist".

Es ist nicht der einzige Satz seiner Predigten, der andie patriotischen Reden erinnert, die er in Leipzig in derLoge gehalten hatte; auch in Weimar suchte er jetzt unterseinen freimaurerischen Brüdern in gleichem Geist zu wirken.Als er in die Loge Amalia, die nach längerer Pause im October1808 durch eine Rede von ihm wieder eröffnet war, im Aprildes folgenden Jahres Wieland einführte, wandte er sich gegendas ungebührliche Lob des Weltbürgersiuns, mahnte er denBestrebungen der Freimaurer „einen bestimmten, der Gegen-wart angemessenen Zweck, betreffe er die Kunst, die Wissen-schaft oder den Staat, unterzulegen und eine eigentbümliche,der Natur einer geheimen Verbindung entsprechende Rich-tung zu geben, damit endlich das träge, nichtssagende Spielaufhöre und sich aus den verwitterten Trümmern ein schönesLeben erweckendes Gebäude" erhebe. Solche Worte mochtenden hervorragenden Männern Weimars, die an diesem Abendsich Wieland zu Ehren zahlreich in der Loge versammelthatten, nicht unbedenklich erscheinen; sicherlich missbilligtesie Goethe*); auch Herzog Karl August war schwerlich derMeinung, dass mit solchen Mitteln die nationale Sache zufördern sei, die ihm nicht weniger als dem jugendlichenRedner am Herzen lag. Dass der Herzog „soweit die Verhält-nisse es gestatteten, Weimar zum Centralpunkt der deutschenFreiheit zu machen" strebte, sagt ausdrücklich sein alterpreussischer Waffengefährte Müffling, dem er 1808 eine Stellein seinem Dienst übertragen hatte; es war die gleiche anti-

*) Wie Rudolf Köpke vermuthet, ist Goethe durch diese EedeSchulzes veranlasst, die Rede, welche er ebenfalls in der Loge Amaliavier Jahre später „zum Andenken des edlen Dichters, Bruders undFreundes Wieland" hielt, mit der Erklärung zu beginnen, es gezieme„dem Einzelnen unter keiner Bedingung, alten ehrwürdigen Gebräuchensich entgegenzustellen und das, was unsre weisen Vorfahren beliebtund angeordnet, eigenwillig zu verändern".