Patriotische Bestrebungen in Weimar. 89
französische Gesinnung, die mit diesem und mit einem andernhervorragenden preussischen Officier, mit Heinrich von KleistsFreund Rühle von Lilienstern, der 1809 zum Gouverneur, desPrinzen Bernhard ernannt war, damals Schulze zusammen-geführt hat*")- Vor allem aber hat Letzterer durch das Feuerseiner patriotischen Begeisterung einen mächtigen Einflussauf die Jugend geübt. Unablässig schärfte er die Mahnungenseiner Antrittsrede seinen Schülern ein; in und ausser ihrenUnterrichtsstunden arbeiteten er und Passow in Weimar ander Bildung einer „energischeren" Generation; sie erlebtendie Freude sichtlich für den Gedanken zu wirken, an dem,wie Passow schrieb, ihre „ganze Seele hing, durch Enthüllungdes hellenischen Alterthums, Entwickelung des hellenischenGeistes das wenigstens im Einzelnen herzustellen, was denDeutschen im Ganzen schmachvoll abhanden gekommen —Begeisterung für Vaterland und Freiheit". In Rudolstadt ist1809 in dem Knaben Heinrich Leo, der bisher enthusiastischfür Napoleon gestimmt war und „seine Phantasie im Kriegs-ruhm des mächtigen Kaisers sonnen Hess", durch Schulze dieeifrig patriotische Gesinnung erweckt, die seitdem sein Denkenund Handeln erfüllt hat. Schulze hatte in Weimar sich beieinem Onkel Leos, dem Conditor Ortelli in der RannschenGasse eingemiethet, und lebte mit ihm, dessen biedern Cha-rakter er schätzte, in sehr freundlichen Verhältnissen; Beidereisten im Frühjahr 1809 zusammen nach Rudolstadt, woOrtelli bei Leos Grossmutter abstieg; dort besuchte ihn Schulzeuud traf hier auch seinen zehnjährigen Neffen. Er fand andem geweckten Knaben Gefallen und war eben mit Fragenan ihn beschäftigt, als Jemand mit der Meldung in das Zimmer
*) Mag vielleicht Müffling in seinen Mittheilungen (in seinem Buch:Aus meinem Leben S. 21 ff.) die Bedeutung seiner eigenen damaligenThätigkeit auch zu hoch angeschlagen haben, so werden doch seineAngaben über die patriotische Haltung, die Karl August in dieserschweren Zeit bewährte, auch durch Bühles Zeugniss bestätigt, derDroysen erzählte, wie der Herzog „fest und zuversichtlich blieb". S.Droysen, Karl August und die deutsche Politik S. 28 und über deneben hiermit zusammenhängenden Gegensatz zwischen Müffling undVoigt 0. Jahns Einleitung zu seiner Ausgabe der Briefe Goethes anVoigt S. 96 ff.