Fürstinnen in Weimar und Rudolstadt. 87
fühlten sich Beide auch durch die gleiche nationale Gesinnungverbunden. Mit ihrer Schwester Marianne, der preussischenPrinzess Wilhelm und ihren Brüdern, die sich im Kampfewegen Napoleon rühmlich bewährt haben, theilte sie dieTrauer über Deutschlands Unglück und das Streben, deutschenSinn unter der Franzosenherrschaft zu bewahren und neu zubeleben; völlig entsprach es daher ihren Anschauungen, dassSchulze auch in einer Predigt, die er in der alten Schloss-kirche zu Schwarzburg vor der fürstlichen Familie hielt, andie Pflicht erinnerte, das Andenken an die durch Frömmig-keit, Wahrhaftigkeit, Treue und Beharrlichkeit ausgezeich-neten deutschen Vorfahren stets lebendig zu erhalten undsich ihrer würdig zu erweisen. „Wie gehemmt", sagte erhier, „auch im Ganzen durch den Druck der Gegenwart dasdeutsche Leben ist, nichts verhindert dennoch den Einzelnendas deutsehe Vaterland in seinem Herzen zu tragen, in denkleinern Kreisen des Lebens, in seiner Familie deutschen
gezeichnet hat. Wie er schreibt, „konnte sie der unwürdigen Ver-dächtigung, dass der Prinz am Morgen des Gefechts bei Saalfeld ineinem berauschten Zustand das Schloss in Rudolstadt verlassen habe,die Versicherung entgegenstellen, dass er bei seinem Aufbruch zurSchlacht nur eine Tasse Chocolade getrunken und sich im vollen IdarenBewusstsein von ihr verabschiedet habe". Als er am Abend zuvor vonihrem damals noch lebenden Gemahl aufgefordert war, „noch durchsein Spiel auf dem bereitstehenden Fortepiano die Gesellschaft zu er-heitern, wehrte die Fürstin dieses Ansinnen durch die Worte ab: „0lass ihn, er hat ein ernsteres Spiel vor sich". Der Prinz erwiderteklaren festen Sinnes: „Es ist bereits verloren". Üb Louis Ferdinanddieses Wort gesprochen, ob er noch am Morgen des 10. October dieFürstin gesehen hat, erscheint nach ihren eigenhändigen Aufzeich-nungen zweifelhaft; aber in der Hauptsache, in der Auffassung vonder Stimmung und dem Verhalten des Prinzen unmittelbar vor demKampfe herrscht Einverstandniss zwischen diesen Berichten; für ihrUrtheil spricht auch Bailleus, auf archivalisches Material gestützteDarstellung der letzten Thaten und Schicksale des Prinzen in derDeutschen Bundschau Bd. XLV S. 227 f., nach welcher dieser sichallerdings über die Stärke der heranziehenden Franzosen und die Grösseder ihm drohenden Gefahr täuschte, ihr gegenüber aber „ungewöhn-liche Ruhe und Kaltblütigkeit" bewies und die Befehle zum Rückzug,wie der Augenzeuge Valentini erklärte, „mit einer Ueberlegung undKlarheit der Ideen ertheilte, die mir unvergesslich sein wird".