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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
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85
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Urtheile über die Predigten. 85

movalisirender Rationalisten abgestossen fühlte. Bei allenDifferenzen mit ihm Hessen auch Marheinecke und BernhardAbeken, der obgleich derselben Generation angehörig unddenselben Studien ergeben, sich mit Schulze wenig verstandmid namentlich dessen „Vermischung von Philosophie undOhristenthum" nicht minder als seine „hochtönende Sprache"tadelte, seiner eigenthümlichen Wärme und Kraft, seinemauf das Höchste gerichteten Streben grosse Anerkennung zuTlieil werden*); man begreift, dass ein solcher Redner diegebildeten Kreise Weimars, wo, um seine eignen Worte zugebrauchen, eine Empfänglichkeit für Form und schöne Ge-staltung herrschte wie nicht leicht in einer andern deutschenStadt, dass er namentlich viele der besten Weimaranerinnenzu fesseln vermochte**). Unter ihnen Karl Augusts Frau,Tochter und Schwiegertochter, Herzogin Luise, PrinzessinCaroline und die Grossfürstin Marie. Letztere gab ihm, wieer Passow berichtet, viele Zeichen ihres Wohlwollens; erschrieb es ihrer Verwendung zu, dass ein Streit mit demOonsistorium, in den er wegen einer „mystischen" Predigtverwickelt war, zu seiner vollen Zufriedenheit und Ehre bei-gelegt wurde. Oefters verkehrte er mit Prinzessin Caroline,

*) Nach einem Brief Schubes an Passow vom 31. October 1811bekannte Abeken selbst sich Ersterem als Eecensent seiner Predigtenin der Jenaer Literatur-Zeitung (20. Juli 1811 Nr. 165); Schulze wünschte,dass seine Reden über christliche Religion hier von anderer Seite an-gezeigt würden; doch hat auch sie Abeken in Nr. 152 des Jahrgangs1812 derselben Zeitung besprochen.

**) Dass er als Kanzelredner „unbedingten Beifall" fand, meldetPassow an H. Voss am 17. September 1809, indem er beklagt, dassSchulze in Folge dessen Sallust vernachlässige. Auch Marwitz erzählteSchleiermacher, wie dieser in dem oben citirten Brief schreibt, vielErfreuliches von dem Eindruck, den Seh. als Prediger mache. Zeug-nisse davon geben ebenfalls manche mir vorliegende, an Seh. gerich-tete Dankschreiben, darunter namentlich solche der Frau von Beulwitzaus Rudolstadt. Als 1858 Seh. sein öOjähriges Amtsjubiläum feierte,hielt es Dittenberger für eine „heilige Pflicht" der Weimarer Kirche,dankbar auszusprechen, dass noch in vielen Herzen die Erinnerunglebe, „wie das begeisterte, freimüthige, belebende und tröstende Wortdes geliebten Predigers in schwerer Zeit zu ihren hülfsbedürftigenSeelen gedrungen und sie wunderbar erhoben habe".