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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
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84 Erstes Buch.- Drittes Capitel.

Grunde legt, die christliche Kirche für ein Werdendes hält,das noch viel zu mangelhaft und dürftig ist, als dass es denhöchsten Forderungen genügen könnte". Hob das Ungenü-gende und Gefährliche solcher Sätze selbst ein dem Rednergesinnungsverwandter Recensent, wie Marheinecke*) hervor,so erklärten von verschiedenen Seiten sich principielle Gegnergegen die ganze von der gewohnten Bahn sich so weit ent-fernende Predigtweise des jugendlichen Gymnasiallehrers. Griffer in scharfen Worten die „klügelnden Menschen an, die,ohne Gefühl für das Heilige, der Religion nichts liessen alseine ungenügende, übelverbundene Sittenlehre", so erschienennicht allein ihnen viele seiner Reden als unklar, schwärme-risch und mystisch. In der That ist es nicht schwer, in ihnenSchwächen und Mängel aufzufinden; Schulze selbst hat späterdieselben klar erkannt: da er als Greis seine Erinnerungenaufschrieb, hat er diese einst mit so viel Eifer und Liebevon ihm gepflegte Thätigkeit nur ganz kurz erwähnt, etwasausführlicher nur die Gründe besprochen, aus denen er sichnoch in Weimar entschlossen, sich weiter in ihr nicht mehrzu versuchen. „Hierzu", sagt er, „bestimmte mich die Erkennt-niss, dass ich innerlich noch nicht rein und überhaupt nichttüchtig genug sei, um dem hohen Begriff, welchen ich vonder christlichen Predigt hegte, auf eine mich selbst befrie-digende Weise zu entsprechen". Dennoch ist eine Betrach-tung seiner homiletischen Leistungen wohl auch heute nichtnur für seinen Biographen von Interesse. Sie liefert uns einZeugniss für die Art, wie in der Zeit dieser Predigten, keines-wegs nur bei ihrem Verfasser, religiöse, philosophische undpoetische Anschauungen sich in einander verflochten; seinenästhetischen Tendenzen, seinen romantischen Neigungen ver-dankte er nicht zum wenigsten den Beifall eines Zuhörer-kreises, der sich durch die Trockenheit und Nüchternheit

*) Dass Marheinecke die im 2. Bd. des 3. Jahrgangs der Heidel-berger Jahrbücher (1810) S. 89 ff. veröffentlichte Recension von SchulzesPredigten verfasste, ist aus einem Briefe von diesem an Tassow vom11. November 1810 ersichtlich. In der Vorrede zu seinen Reden überdie christliche Religion nennt er M. unter den von ihm verehrtenDogmatikern neben Schleiermacher, Augusti, Daub und Plank.