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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
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78 Erstes Buch. Drittes Capitel.

Ueber die Methode, welche nach der Verschiedenheit derClassen und der Lehrgegenstände zu beobachten ist, hatteer, wie er selbst sagt, bis dahin wenig nachgedacht"; auchkonnte für seine und seines Freundes Wirkung auf ihreSchüler es wohl bedenklich erscheinen, dass manche vondiesen fast ebenso alt waren als ihre Lehrer und derenmecklenburgischer Dialekt den Thüringern auffiel. Es warnicht das Einzige, was bei Schulze eigenthümlich erschien:mit kurzen schnellen Schritten lief er durch die Strassen,die linke Hand mit einem Buch auf dem Rücken, in derRechten einen schwarzen Stock, mit dem er lebhaft gestiku-lirte; glaubte er sich verspätet zu haben, sprang er nachder Erzählung von Netto wohl einmal auf dem Markt überObst- und Gemüsekörbe. Aber wie Passow erwartet hatte,brachte eben die jugendliche Lebendigkeit seines Wesens,die auch in solchen Aeusserlichkeiten sich aussprach, ihnden Schülern näher, welche durch den Freimutb seinerAntrittsrede sofort mit Begeisterung für ihn erfüllt waren.Das tiefe und warme Interesse, das er und Passow selbstau den Gegenständen ihres Vortrags nahmen, theilte sichden Hörern mit; mit gespannter Aufmerksamkeit folgtendiese ihrem Unterricht; eben desshalb fanden sie willigenGehorsam und bezeugten durch ihr Wirken, wie einer ihrerSchüler*) urtheilt, die Wahrheit des Satzes,dass ein Lehreralles gewinnen kann, wenn er wissenschaftlich fest und ge-sattelt, wenn er sittlich rein und fleckenlos ist und dannsich giebt wie er ist". Nach demselben Berichterstatter warSchulze eine lebhaftere, beweglichere, reizbarere Natur alsPassow; aber da dieses Temperament dem der Jugend selbstentspricht und mit vielseitigem und anmuthigem Wissen,einem hinreissenden Vortrag, einem unermüdlichen Anregungs-eifer eine feine Sitte, eine wahrhaft vornehme Persönlich-keit hinzukam, so war für die Autorität als Lehrer dabeinichts gewagt und es trat die rechte heilsame Mischung vonliebender Anhänglichkeit und fürchtender Scheu ein, die

*) S. dessen Ausführungen in den schon oben erwähnten Mit-theilungen aus einem Schulmannsleben in der Allgemeinen Schulzeitung1831 Abth. II S. 13.