76 Erstes Buch. Drittes Capitel.
mir schon die Eeinigung der griechischen Aussprache eineReinigung des Sinnes überhaupt scheint. Denn sie ist jain den redenden Künsten das, was in den darstellenden dieForm. Mit diesen Grundzügen der Methode verbinden wirnatürlich die Grundzüge der Accentlehre, insoweit diese aufdie Aussprache Einfluss hat. Um aber den Verstand nichtganz brach liegen zu lassen, machen wir unsere Quartanermit den sogenannten Septem partibus orationis bekannt. Dennda sonst überall in den untern Classen diese allgemeineGrammatik versäumt wird und auch dadurch eine grosseUnklarheit bei den Latein Lernenden entsteht, dass sie Sub-stantiva decliniren und Verba conjugiren müssen, ehe sieeine Idee von der Bedeutung dieser Eedetheile, ihrem Ver-hältniss zu sich selbst und zu anderen partibus haben, sowaren wir darauf bedacht, unsre lieben Griechen bei Zeitenvor solcher Verworrenheit sicher zu stellen." In Tertiawurde dann die ganze Formenlehre nach Buttmanns „vortreff-licher neuester Grammatik" und Thierschs Tabellen über dasgriechische Paradigma in halbjährigen Cursen vorgetragen.Um das theoretisch Gelehrte gleich in Anwendung zu bringen,wurde der erste Cursus von Jacobs' griechischem Elementar-buch gelesen; auch wurden „leichte Versuche im Vertirenaus dem Deutschen in das Griechische gemacht, doch nichtschriftlich, weil die Aufgaben hier natürlich so leicht bleibenmüssen, dass sie nur dann üben, wenn man ihrer An-wendung eine Schnelligkeit und Leichtigkeit giebt, die nurbei der mündlichen extemporanen Lösung möglich wird."Diese Uebungen wurden in Secunda fortgesetzt: gelesenwurde hier der zweite Cursus des Elementarbuchs und dieOdyssee, in Prima die Ilias und eine Schrift des Xenophon;an die Leetüre des „zierlichen Attikers" schloss sich dereigentlich syntaktische Unterricht, an die der Ilias „dasNöthige von den Dialekten" an. Nach diesem Plan schienenPassow die vier Glassen hinzureichen, eine für die Mehrzahlder Schüler genügende gründliche und zusammenhängendeBildung im Griechischen zu bieten; nur für diejenigen, „indenen ein wissenschaftliches Streben und Drang zu eigenerThätigkeit sich regte", war die neu eingerichtete Selecta