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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
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71
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Schulzes Antrittsrede. 71

Aus solchen Motiven, mit solchen Hoffnungen ist Schulzezum Professor am Weimarer Gymnasium ernannt. Dass erin demselben Geist, in dem sein Freund seine Berufungdurchgesetzt hatte, mit ihm zusammen zu wirken entschlossenwar, zeigte schon die Rede, mit der er am 5. Septembersich bei seinen neuen Vorgesetzten ; Collegen und Schülerneinführte. Mit rückhaltlosem Freimuth wies er hier auf dieAuflösung des deutschen Staats und ihre Folgen für daso-eistige Leben des Vaterlands hin.Das Eigenthümlichsteunserer Nation, unsere liebe deutsche Muttersprache, in dersich die grössten wie die kleinsten Verhältnisse des Weltalls,in der sich die zartesten tiefsten heiligsten Gefühle des vonGott begeisterten Dichters wie die abgezogensten scharfsinni-gen Anschauungen des das Universum zu erkennen strebendenDenkers gleich herrlich und der Würde des Gegenstands ge-mäss offenbaren und sich Ewigkeit zu geben vermögen, auchdiese nie genug zu preisende Sprache duldet unser allgemeinesLoos, wird aus den geselligen Kreisen, aus den Staatsver-handlungen, aus der mit der Landessprache so innig ver-schwisterten Wissenschaft durch die weltherrschende Sprachedes Siegers verbannt, und o der namenlosen Sehmach! esfinden sich Deutsche, die dieses Unwesen begünstigen undals heilbringend üben." Was der Verlust deutscher Selbst-ständigkeit für die Pflege der Wissenschaft und Kunst be-deute, hob Schulze nachdrücklich hervor, um dadurch dieJünglinge, denen fortan näher anzugehören er sich innigfreute, zur Erkenntniss der Grösse und Schwierigkeit ihrerAufgaben zu führen.Ein gesunkenes Volk, rief er ihnenzu, aus seinem Schlummer erheben, alles, was das Leben derWissenschaft hemmt, sorgsam entfernen und ihre Blüthe be-fördern, den erstorbenen Sinn für Religion wecken und dieKunst mit dem Leben einend versöhnen, solche und ähnlicheBestimmungen erfordern gründliche und kraftvolle, klareund tiefblickende, kenntnissreiche und gefühlvolle Männer,die sich keine einseitige beschränkte, sondern eine gediegeneharmonische Ausbildung geben. Und darum muss jetzt mehrals jemals der deutsche Jüngling eifrigst streben nach Klarheitmit sich und der Welt, nach Gründlichkeit des Wissens, nach