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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
Seite
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72 Erstes Buch. Drittes Capitel.

Selbstständigkeit des Geinüths. Darum muss jetzt mehr alsjemals der deutsche Jüngling innigst vertraut werden mitder Sprache und Bildung des Alterthums, damit er durchdiese zur Klarheit des Denkens und Handelns gelange, damiter durch Vergegenwärtigung des hochherzigen griechischenund römischen Lebens, wenn ihm seine nächsten Umgebungenund die unglückliche Gegenwart nur Kleines und Niedrigeszeigen, wahre Grösse anschauen, bewundern, anbeten lerne.Darum müssen vornehmlich alle Jünglinge dieses Landes,wo unter der väterlichen Leitung eines seine unsterblichenAhnen durch ein deutsches würdiges Leben am herrlichstenehrenden Fürsten fast einzig und allein noch deutscher Sinngedeiht, wo seit einer Reihe von Jahren Wissenschaften undKünste freundlich ermunternde Aufnahme, einen stillen Zu-fluchtsort vor der Gemeinheit des Zeitgeistes fanden, darum,sage ich, müssen alle Jünglinge dieses Landes mit rastlosemEifer, mit unverändertem Streben, ihre ganze ungetheilte Naturauszubilden bemüht sein, damit sie die Hoffnungen des übri-gen Deutschland rechtfertigen, damit der durch eine alles Guteund Schöne befördernde Regierung und durch wenige kraft-volle hochherzige Männer begründete Ruhm dieses Landesnicht sogleich mit ihrem Leben aufhöre, sondern in ewig wach-senden Kreisen sich fortpflanze von Geschlecht zu Geschlecht."Welchen Eindruck diese Rede Schulzes auf die Hörermachte, bezeugt der schon vorhin erwähnte Schüler: in ängst-lichen Gemüthern erregte sie, wie er berichtet, nicht geringesStaunen, ja Besorgniss für die persönliche Sicherheit desVerfassers, aber sieerhob unsere von Vaterlandsliebe unterdem Franzosendruck nur desto gewaltsamer glühenden Herzen,sie erfüllte uns mit Begeisterung für den neuen Lehrer; seinAnsehen und sein Einfluss unter uns war damit sogleich aufdie triftigste Grundlage basirt". Und nicht nur das Vertrauenseiner Schüler gewann sich Schulze durch seinekühnenWorte in verfänglicher Zeit"; wie er selbst erzählt, wurdeEichstädt in Jena, mit welchem sein Gönner und Beschützer,der Geheime Rath Christian Gottlob von Voigt, einen leb-haften Briefwechsel unterhielt, wahrscheinlich durch diesenveranlasst, mich zur Veröffentlichung meiner Rede zu er-