Weimarer Schauspieler in Leipzig. Devrient. Senme. 61
Dramen die Mitschuldigen, die Laune des Verliebten, Götz,Egmont, Stella, die natürliche Tochter, Iphigenie und derunmittelbar zuvor in Weimar zuerst einstudirte Tasso, vonSchiller Don Carlos, Wallensteins Lager, Majia Stuart unddie Jungfrau von Orleans, von classischen Stücken fernerdie Einsiedeische Bearbeitung der Brüder des Terenz auf-geführt. Schulze lernte dabei namentlich Pius AlexanderWolff, mit dem er schon in Lauchstädt Beziehungen ange-knüpft hatte, näher kennen. Zugleich trat er damals auchmit Wolffs grossem Antipoden in der Schauspielkunst, mitLudwig Devrient in Verkehr. „Der geniale Künstler gehörte,so erzählt Schulze, mit zu meinen täglichen Tischgenossenim französischen Keller am Markt; von der Geisteskrankheitseiner Gattin schwer bedrängt suchte er im Gespräch mitmir Trost und Erheiterung; seine sonderbare Diät Hess schondamals für ihn kein langes Leben hoffen; unter seiner An-leitung versuchte ich auf einem Privattheater - in EmiliaGalotti den Maler Conti zu spielen." Zu einem andernähnlichen Versuch veranlasste ihn Seume. Sie trafen sichöfters in Abendgesellschaften, welche Professor Erhard wöchent-lich einmal aus den verschiedensten Ständen um sich ver-sammelte. Bei einer derselben forderte, wie Schulze berichtet,ihn „der sonst schweigsame Seume ganz unerwartet auf inGemeinschaft mit ihm aus Schillers Don Carlos, von welchemer bereits, zwei Exemplare zur Hand hatte, des Gespräch desKönigs mit Posa vorzutragen. Mir ward die Rolle desMarquis zugewiesen, Seume wählte für sich die des Königs.Die zahlreiche durch Seumes Auftreten überraschte Ver-sammlung folgte lautlos seinem Vortrag und ward mächtigergriffen, als er bei den Worten: „Es ist kein verlorner indem meinigen" mir die Hand reichte und weinend michumarmte."
Seume und Schulze fühlten sich innig durch die ihnengemeinsame nationale Gesinnung verbunden. Sie bildetenzusammen mit dem jungen Grafen Pückler, mit einem ver-abschiedeten preussischen Husaren-Rittmeister von Stockmeyer,der bei Pückler Unterstützung gesucht und gefunden hatte,und mit Karl Müller einen engeren Freundeskreis, über