62 Erstes Buch. Zweites Capitel.
dessen Bestrebungen Varnhagen in der Biographie des Letzt-genannten*) interessante Mittheilungen veröffentlicht hat.In ähnlicher Stellung wie Schulze und der ihnen Beiden be-freundete August Wagner lebte damals Müller in Leipzigals Führer des Sohns des sächsischen Ministers des Aus-wärtigen, des Grafen Böse, der ihn persönlich schätzte, soverschieden ihre politischen Anschauungen waren. Dennwährend der von Napoleon selbst zum Leiter der sächsischenPolitik bestimmte Vater seines Zöglings die freundschaft-lichsten Beziehungen mit den Franzosen unterhielt, ent-flammte ihn, wie Varnhagen sagt, die Schmach und derDruck der Fremdherrschaft zu Hass und Rache; er suchteschon damals für die Gedanken zu wirken, die er 1813 indem von ihm verfassten Aufruf von Kaiisch verkündet hat.Er hatte früher Theologie studirt; jetzt widmete er wieWagner sich besonders dem Studium der Kriegswissenschaften,welche „ihn für die Deutschen jetzt das Nöthigste dünkten,weil ihrer Sache kein anderes Heil als die Waffen verbliebensei". Unter seinen Gesinnungsgenossen hebt nun Varnhagenausdrücklich den Grafen Pückler und namentlich Schulzehervor; Letzterer war nach seinen Worten nebst Müller undSeume „die Seele der sich bald fester schliessenden DeutschenVerbindung", in deren Sinn er mit hinreissendem Feuer be-geisternde Vorträge in der Freimaurer-Loge Minerva zu dendrei Palmen hielt. Ausdrücklich sagt Schulze selbst, er sei
'*) Die im Juni 1847 bald nach Müllers Tod geschriebene Bio-graphie desselben, die Varnhagen zuerst in dem Buche: Karl MüllersLeben und Kleine Schriften. Berlin 1847 S. 1—61 veröffentlichte, ist1859 im 8. Band der Denkwürdigkeiten und Vermischten SchriftenVarnhagens S. 291 ff. wieder abgedruckt. Nur in der letzteren — er-weiterten oder unverkürzt publicirten — Fassung findet man die imText erwähnten Aeusserungen über Schulze. Siehe über den „sächsischenMüller" ausser den in der Allgemeinen Deutschen Biographie XXII, 647verzeichneten Schriften auch Barsch, Beiträge z. G. des TugendbundsS. 69, und Harnisch in seinen oben erwähnten Erinnerungen S. 234.Die Beiden gemeinsamen patriotischen Gefühle sind auch in einem vonSchulze zum Geburtstag Müllers am 13. April 1808 verfassten Gedichteausgesprochen, das jetzt unter den Papieren aus Varnhagens Nachlassauf der Berliner Königlichen Bibliothek aufbewahrt wird.