Schulze wieder in Halle. Reise nach Dresden. 57
merksam gemacht; sie lernte ihn so sehr schätzen, dass sie denWunsch äusserte, er möge ihren jüngsten Sohn erziehen undsie auf einer Reise nach Italien begleiten, die sie im nächstenHerbst anzutreten beabsichtigte. Dadurch wurde Schulze ver-anlasst, sich mit einem Italiener, der im Gefecht am 17. Octoberverwundet und deshalb in Halle zurückgeblieben war, täg-lich im Italienisch-Sprechen zu üben; nach wenig Monatenerlangte er hierin die gewünschte Fertigkeit. Für die Bil-dung seiner allgemeinen Anschauungen aber bot ihm diegrösste Förderung, dass auch ihm der Zutritt zu den Zu-sammenkünften vergönnt war, an denen Schleiermacher aneinem Abend in der Woche bei sich seine alten Zuhörerund andere Freunde sah; auch er hebt wie Varnhagen her-vor, wie alle Theilnehmer durch das immer lebhafte Gesprächüber die verschiedensten wissenschaftlichen Fragen an diesenAbenden angeregt worden.
An einem derselben sprach Blanc seine Absicht aus,eine Fussreise nach Dresden zu machen und dort bei demfranzösischen Prediger Riquet die Osterwoche zuzubringen;Schulze folgte bereitwillig seiner Aufforderung ihn zu be-gleiten. So „ward mir, sagt er, zum ersten Mal die schonlängst gewünschte Gelegenheit zur Anschauung der DresdenerKunstschätze, an welchen ich im Lauf der Jahre mich immervon neuem zu bilden und zu erbauen beflissen war".
Ausser den Classikern der Malerei lernte Schulze hierpersönlich den Landschaftsmaler Caspar David Friedrich kennenund lieben, dessen Bilder romantischen Stimmungen entsprachenund dienten. Wer sich der anmuthenden Schilderung Kügel-gens*) von diesem „sehr aparten" Menschen erinnert, „dessenzarten kindlichen Sinn Kinder und kindliche Naturen leichterkannten, mit denen er daher auch gern und zutraulich ver-kehrte, während er im Allgemeinen menschenscheu sich auf
*) In den Jugenderinnerungen eines alten Mannes 5. Aufl. S. 113 ff.136 ff. S. ausserdem Pyl, Allg. deutsche Biographie VIII , 64 ff. undHeinrich Meyers interessante Ausführungen über Friedrich in demAufsatz über die neu-deutsche religiös-patriotische Kunst, der aus demzweiten Heft von Kunst und Alterthum neuestens in Paul WeizsäckersAus gäbe von Meyers Kleinen Schriften wieder abgedruckt ist.