Schulze und Franzosen in Dömitz. 55
kam in meiner Begleitung zum General; dieser rief, als dieAuszahlung der 800 Thaler erfolgte: Prenez garde de la sen-tinelle, die an dem Fenster auf- und niederging. So ward derunvermeidliche Handel abgeschlossen; der General erfülltewirklich sein Versprechen und Hess am folgenden Tag dieunter seinem Befehl stehende Cavallerie, ohne dass nur EinMann die Stadt berührte und ohne jede Gefährdung der Ein-wohner, ruhig vorüberziehen."
Hier zuerst bekundete so Schulze seine Fähigkeit zurErledigung praktischer Geschäfte; es that seinem Herzenwohl, dass er seiner bedrängten Vaterstadt helfen konnte;auch lernte er in diesen Tagen manche historisch merkwür-dige Persönlichkeiten kennen, darunter Drouet, der sich durchdie Verhinderung des Fluchtversuchs Ludwigs XVI. bekanntgemacht hatte. Nachdem aber die Truppendurchzüge ihr Endegenommen hatten, litt es ihn nicht lange mehr in Dömitz.Ihn erfüllten wohl ähnliche Empfindungen wie seinen Freundund Landsmann Hennemann, der voll wehmüthiger Erinne-rung an die schönen Tage ihres Haller Lebens ihm verzweifeltüber die Schweriner schrieb, die er sich „so prosaisch dochnicht gedacht hatte. Die Herren, die hier Belletristik treiben,denn getrieben wird sie hier wirklich, sind grosse Verehrerder achtziger Jahre, sie lachen sich bei dem tollen Novalishalb todt und verehren Kotzebue als den Vater des feinerenWitzes und der dramatischen Poesie. Die Monologen habenhier einiges Aufsehen gemacht; nur können die Leutchenden Namen Schleiermacher, denn sie hören ihn durch michzum ersten Mal, immer nicht recht behalten, sie meinen, ersei auch gar zu besonders — ja wohl ist er besonders". Zuihm, nach Halle trieb es Schulze zurück, als der Krieg nachOsten sich gezogen hatte und nach der Oapitulation vonMagdeburg der Weg nach Halle wieder frei geworden war.Noch schien eine Wiederherstellung der Universität möglich,noch waren ihre bedeutendsten Lehrer dort vereint. In denihnen auferlegten verlängerten Ferien, per otia gallica, wieWolf sagte, folgten sie dem Rath, den Goethe diesem er-theilt hatte, und wandten sich eifrig Uterarischer Arbeit zu;Schleiermacher verfasste damals sein Sendschreiben über den